Alexandra

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Kontakt:

Alexandra Rückert,

Suermondtstr. 31, 13053 Berlin,

phone: +49 (030) 98 212 52

alexandra.rueckert@gmx.de

 

 

Hinweis auf die Suche nach meinem Vater hier:

 

 

 

Vorwort

 

Ein Brief meiner Mutter aus dem Jahr 1946 fand meine Tante im Nachlass meines Großvaters 1984. Auf 12 Seiten beschreibt sie, wie sie mit ihrer Freundin Liesl Zeitler die Heimat verlassen musste und über das zerstörte Dresden in Wurzen beim Kriminal-Sekretär Julius Raven und seiner Frau Unterkunft fand. Bis zu ihrem Tod (1990) konnte ich mit ihr weder über meinen Vater, noch über die schmerzvollen Erfahrungen meiner Kindheit nach dem Weggang meines Vaters sprechen. Bis heute habe ich sie als eine begnadete Lehrerin aber als eine grausame Mutter in Erinnerung. Nachdem sie versuchte, über Kuriere den Kontakt zu meinem Vater aufrecht zu erhalten, heiratete sie 1949 in Wurzen den Bergarbeiter Georg Werner Jentzsch, der mich adoptierte. Mein Vater galt als vermisst und das große Schweigen begann. Wenn ich mich oft als Außenseiter fühlte, ähnlich wie das "hässliche Entlein" aus dem Märchen von Hans-Christian Andersen, wurde ich von der Familie meiner Mutter akzeptiert und gut aufgenommen. Von meiner Tante in Dresden erfuhr ich erstmals im Alter von 10 Jahren, dass mein Vater, der bis dahin als im Krieg vermisst galt, durchaus noch leben könnte. Meine Mutter antworte auf meine Frage ausweichend und ich spürte erstmals einen tiefen Vertrauensverlust, der mich lang begleitet hat. So fehlte mir der Mut und die Unterstützung, mich auf die Suche nach meinem Vater zu begeben, die nach der Wende 1990 möglich war.

2008, nachdem erste Veröffentlichungen zu den Besatzungskindern erschienen und ich einen Vortrag der Historiker vom Institut für Kriegsfolgeforschung in Graz in der Österreichischen Botschaft hörte, fasste ich erneut Hoffnung und übergab die Kopie des Briefes meiner Mutter mit den spärlichen Informationen, die ich über meinen Vater wusste, an Frau Barbara Stelzl-Marx mit der Bitte, mich bei der Suche zu unterstützen.

Das Ergebnis der Studie der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universitäten Leipzig und Greifswald, das Buch "Distelblüten" und das 2. Treffen der Russenkinder im März 2015 in Leipzig sowie der Kontakt zum Verein Russenkinder e. V. und seine hilfreichen Angebote, ermutigten mich, erneut die Suche aufzunehmen.

Der Austausch mit den Betroffenen und die Anteilnahme mit deren Schicksal und gegenwärtigen Befindlichkeit sind Hilfe und Unterstützung zugleich. Es ist mir wichtig, mein Leben, das meiner Mutter und meiner Familie im Kontext der Ereignisse nach 1945 zu verstehen, anzunehmen und letztlich zu verzeihen.

 

 

Brief meiner Mutter Gudrun Gabriele Glatz vom 17. 10. 1946

 

Mein geliebter Papa,

heut erhielt ich Deine lieben Zeilen, worüber ich mich sehr freute. Noch mehr aber, daß Du mich bald besuchen kommen willst. Auch die Bilder haben mir große Freude bereitet. Sehr oft hatte ich an meine 4 kleinen Lieblinge gedacht und wie es ihnen ergehen mög.

Besonders an meinen kleinen Gerhard, der doch schon ein hübsch großer Junge sein muß und wie ich auf dem Bildchen ersehe, sieht Gertraude mir sehr ähnlich, sie muß doch auch nun schon ein großes Fräulein von 3 Jahren sein, nicht?

Tanzt Gerlinde immer noch so gern? Und was macht mein Träumerle Gernot ? Paperle besuche uns recht bald, damit ich wieder mal von den schönen Zeiten mit Dir zusammen plaudern kann. Wenn ich auch damals dachte, es war eine gräßliche Zeit, heute weiß ich, daß Du mich damals vor einem Unheil bewahrt hast. So will ich Dir nun so gut es brieflich geht erzählen, wie es mir von der Zeit an erging, wo ich unsere Heimat mit Liesl, meiner treuesten Kameradin verließ. Am 07. Juli 1945 war es soweit, daß ich mir mit Liesl sagte, es geht nicht mehr länger, wir müssen fort, auch Muttl war der Meinung. So fuhren wir an dem genannten Tag, es war ein Sonnabend früh um 6 Uhr von Komotau nach Weipert mit dem Zug, ein Rucksack und ein kleiner Koffer war unser Gepäck. Das letzte Mal grüßten wir unsere Berge und schworen uns, alles dies zu rächen und wieder zu kommen. Damals dachten wir, nach Freiberg zu Liesls Muttl zu gehen, bald wurde uns dieser Traum zunichte gemacht, denn wir erfuhren gleich beim Überqueren der Grenze, daß das unmöglich sei, da der Pole dort ist. Nur wohin? Zwei Tage blieben wir in Bärenstein und blickten wohl voller Sehnsucht nach unserer Heimat. Montag fuhren wir dann nach Chemnitz, wo wir bei Bekannten noch 2 Tage rast machten. Dann gings nach Dresden weiter, mit 200 Reichsmark in der Tasche bildeten wir uns damals ein nach Berlin zu reisen und von dort zu versuchen nach Breslau zu kommen. Wir wollten unbedingt zu Liels Muttl.

Als wir durch Dresdens Strassen wanderten waren wir innerlich so zermürbt: Trümmer auf Trümmer, ich kannte Dresden nicht wieder. Am Neustädter Bahnhof mußten wir nun lange auf den Zug warten, der über Riesa nach Berlin gehen sollte, Haufen Elend sahen wir, da gesellte sich ein Herr zu uns, der aus Schlesien kam und uns lauter Greultaten der Polen verkündete und uns ganz strikt abriet dorthin zu gehen. Er wollte mit uns über die Mulde nach Thüringen und da fiel mir ein, wir könnten nach Nordhausen zu Heinz.

So stiegen wir mit ihm ein und unser guter Humor, den wir nie verloren, malte uns schon wieder die schönsten Bilder aus. Der Zug war vollgepfropft, da wollte auf der nächsten Station noch unbedingt ein älteres Ehepaar mit einem kleinen Kofferwagen rein. Ich fuhr sie an, wie sie sich das denn vorstellen ? Bis der Schaffner kam und sie doch noch mit reinquetschte. Nachher kamen wir ins Gespräch und nach und nach, kam es soweit, daß sie von Wurzen sind und uns anboten, wir sollten mit ihnen gehen, sie würden schon weiter sehen. Wir waren glücklich, daß es noch so gute Menschen gab, die sich verlassenen Mädels annahmen. So kamen wir allerdings um 10 Uhr in Wurzen an als wir dann in das Wohnhaus am Park kamen, wo Ruhe und Friede uns entgegenstrahlte, waren wir überglücklich. Der nächste Tag sollte uns schon die Entscheidung bringen.

 

 

 

 

Es ist eine Siedlung wo sie wohnten, nahe an der Kaserne und die mußte innerhalb 4 Stunden geräumt sein. Da die Offiziere der Kaserne ankommen. Liesl und ich waren wie vom Schlag gerührt, dachten wir doch, sowas kann nur in der Tschechei passieren. Nun halfen wir den lieben Leuten mit ihr Haus räumen. Den ganzen Tag ging’s Trepp’ auf, Trepp’ ab .Gegen Abend kamen dann die russischen Offiziere. Unser jetziger Onkel, Herr Raven, fragte den russischen Major, ein großer blonder Mann, ob es denn nicht möglich wäre, die Mansarde zu beziehen. Worauf dieser Major sehr peinlich berührt war und es erlaubte.

Auch Liesl und ich hatten schreckliche Angst vor den Russen und wollten lieber ins Lager als dort mit wohnen. So kam aber dann der Komandeur und schmiß uns auf deutsch gesagt hinaus; Liesl, und ich und Tante und Onkel nahmen unsere Habseligkeiten und zogen ab.

Der Major erlaubte uns aber die nächsten Tage unsere Sachen noch fortzuschaffen. So kamen wir bei Bekannten von Ravens unter. Die nächsten Tage war ich von dieser Anstrengung krank erholte mich aber schnell wieder und half fleißig rauszuräumen.

Liesl und ich wollten aber nach Nordhausen, aber immer noch war die Mulde gesperrt und hunderte Flüchtlinge Lagen in Wurzen. So kamen wir täglich in das Haus am Park und warteten. Mit dem Burschen vom Major, er war ein Ukrainer und ein älterer Mann, freundeten wir uns bald an, der gab uns immer die Wäsche von den 2 Offizieren; Kapitän und Major und wir bekamen dafür gutes Essen, Brot, Eier, Butter und so weiter. Unten im Parterr wohnte der Kapitän.

Eines Tages waren wir wieder unten und machten mit Onkel und Tante die Wohnung sauber, da kam der Kapitän zu mir und sagte, bitte Fräulein, kommen sie einmal zu mir, ich muß etwas sprechen. Ich hatte mehr Angst als Vaterlandsliebe, aber Onkel und Tante versicherten, das ist ein anständiger Mensch und außerdem werden sie aufpassen, ich kam herunter, da stand in der Tür der Major und beide sprachen eifrig russisch. Bis nun der Kapitän da er besser deutsch sprach als der Major, zu mir sagte: Verzeihen sie, Major hat heute Geburtstag und wir wollen sie und anderes Fräulein einladen. Ich das hören und beide mit einem vernichtenden Blick ansehen und ihnen ins Gesicht schleudern: „Nein, niemals! Kehrt. Und Liesl und Tante und Onkel aufgefordert mit zu gehen. Die wußten nicht, was los ist und rannten alle mit. Wie wir die Stiegen herunter kamen, geht der Major stolz und erhobenen Kopfes an uns vorüber und der Kapitän, ein lieber, netter Kerl steht an der Veranda und schaut uns ganz traurig und enttäuscht nach. Da sagt die Tante, der ich nun alles erzählt habe, Gudrun schau, er ist ganz traurig, sag ihm, daß ihr das nicht könnt. Ich dreh mich um und sage ihm. Entschuldigen Sie, Herr Kapitän, sie müssen verstehen, wir sind nicht solche Mädels von der Straße; er strahlt nun wieder, geht ins Zimmer und kommt mit einer Flasche Wein zurück und sagt: Bitte nehmen sie mit, wenn sie nicht hier trinken wollen, dann nehmen sie mit nach Haus, aber kommen sie mit Onkel und Tante wieder. Inzwischen ist Nikolaj, der Bursche mit Liesl nach oben gegangen und hat auf Geheiß des Majors Butter, Eier und noch manches eingepackt. Wir waren wieder selig, denn Du mußt wissen, wir hatten keine Lebensmittelkarten. So kam es nun, daß wir auch im Garten zu tun hatten, daß wir bald täglich unten weilten, und von da ab uns, wenn der Kapitän Zeit hatte, mit ihm unterhielten. Bald wußten wir, wie sehr intelligent und höflich er war und es waren oft lustige Minuten. Auch merkten wir, daß er sich besonders gern mit Liesl unterhielt. Einmal waren wir wieder im Garten. Inzwischen nannten wir den Kapitän Fredi und Liesl und Fredi waren zusammen ins Haus gegangen. Da schaute oben der Major aus dem Fenster mit noch einem Major heraus und unterhielten sich mit Tante, mich schaute er von damals an nicht mehr an. Er sagte zu Tante, sie könnte nun oben wohnen und Tante und Onkel waren glücklich, da wir doch kein richtiges Unterkommen hatten und lud sie sogar zum Abendessen mit Onkel ein. Nun saß ich allein im Garten, kaute betrübt an einem Kohlrabi, da kam Nikolaj und gab mir 2 dicke Butterbrote. Er war mir bis er nach Rußland ging immer ein ergebener Freund, (auch mußte ich ihm immer das Deutschlandlied vorsingen).

Nach einer Weile kamen aber Liesl und Fredi, die mich vermißten und holten mich auch zum Essen. Nach einer Weile kam auf einmal der Major fragt wo ich bin und sagte mir, ich sollte zu meiner Tante und Onkel kommen. Nach einer Weile stellt sich heraus, daß er Tante über mich ausgefragt hatte, es war damals ein sehr netter Abend und da beguckte ich mir diesen langen Menschen, den nichts als seine Sprache an einen Russen erinnert.

Eher eines Deutschen und ich muß sagen, er mißfiel mir nicht. Sein hilfloses, einnehmendes Wesen, ließ mich mütterlich mit ihm umgehen und als er uns beim Abschied mit seiner Ehre als Offizier versicherte, daß wir ruhig oben wohnen und schlafen können, gingen wir beruhigt und es blieb auch so. Für mich und Liesl begann wohl jetzt die Zeit, die weder Waldemar, so hieß der Major noch Fredi nie vergessen können.- Die beiden hatten sehr viel Dienst und wir beide pflegten das Haus und den Garten. Wenn sie nachmittags um 5 Uhr nach hause kamen strahlte alles, dann wurden Tante und Onkel und wir Mädels eingeladen mit zu essen. Nachher unterhielten wir uns über alles , so erfuhren wir, daß Waldemar und Fredi das Gymnasium besucht hatten, 2 Jahre Kriegsschule und 4 Jahre Krieg. Waldemar wollte Arzt studieren, Fredi Ingenieur. Waldemar ist 1920 geboren, Fredi 1921. So mußt Du sie Dir vorstellen. Fredi, das Wesen wie Zeidlers Fritz, sonnig, heiter ein wenig leichtsinnig aber ehrlich und überzeugend. Waldemar, groß, blond blaue Augen, schlank, etwas unbeholfen, sehr pflichtgetreu, intelligent, etwas schwermütig und kann nicht so wie er will, auch sehr feinfühlend und stolz.- Nun erzählten wir ihnen, daß wir aus der Tschechei kommen- daß sie sehr interessierte und wo auch sie vielfach falsch unterrichtet waren. Aber auch gab es heftige Debatten. Wenn da manchmal nicht Tante und Onkel gewesen wären, ich glaube wir wären uns in die Haare gegangen. Denn wir vertraten unser Recht und liebten immer noch unseren gefallenen Führer und sie verteidigten ihre Rechte als reine Russen. Sie waren stolz auf ihre rein russische Abstammung, wir stolz auf unsere, auch flunkerten wir tüchtig, daß sich erst später wieder herausstellte. Bis wir eines Tages im August ( wir hatten nun inzwischen in der Stadt ein Zimmer bekommen) mal nach Chemnitz fuhren, um unser restliches Gepäck zu holen, daß wir damals, als wir nicht wußten wohin, dort zurück ließen. Da wußten wir, als wir uns am Abend verabschiedeten, wie sehr schwer es den beiden fiel und ehrlich gestanden uns Mädeln, denn sie glaubten, wir wollen nicht mehr wieder kommen. Nach 2 Tagen kamen wir zurück. Glaub mir Papa, wir waren uns damals nicht im Klaren, oder waren wir vielleicht noch zu große Kinder, die den rechten Ernst des Lebens nicht kannten? Wir dachten das harmlose Spiel konnte nicht Ernst meinen und wir rangen mit unserem Nationalstolz, wohl auch Waldemar und Fredi, das konnte ich bei Waldemar und seinen wechselnden Stimmungen erkennen. Es dauerte lange und glaub mir Papa, als ich mich doch eines schönen Tages dem Menschen schenkte, von da an wußte ich um den Ernst des Lebens. Es kam über uns beide die große Liebe, das wußten wir als wir von Chemnitz zurück kamen und uns Nikolaj jubelnd empfing. Denn er hatte schon große Sorge um die beiden, sie aßen und tranken fast nichts und saßen immerfort zusammen und erzählten sich von Liesl und mir. Als wir wiederkamen, Paperle, diese Freude, wie die großen Kinder, Waldemar umarmte, küßte mich bis er zur Besinnung kam und sagte, daß er ohne mich nicht mehr leben könnte und mich über alles liebt, Paperle, auch ich fühlte damals, wie sehr ich diesen großen, blonden Jungen mit seinen Meertiefen Blauaugen liebte und auch ich fragte nicht mehr nach dem Gestern und dem Morgen. Für mich war Waldemar alles geworden. Junge, heiße Herzen fanden sich in ehrlicher Liebe, kann das schlecht sein, liebten nicht auch sie Natur und alles Schöne; sind diese Menschen unedel, weil sie Russen sind ?

Heut nach 1 ½ Jahren stehe ich auf dem gleichen Standpunkt, wenn ich vielleicht auch schon manches kennenlernte, das nicht immer schön und ideal war, so weiß ich heut mehr denn je, daß ich ihn liebe. Und ohne ihn mir nichts mehr denken kann.

Im September 45, als ich Muttl, Gerta und Helga wiederfand, konnte ich wohl noch nicht über mein Glück sprechen, aber einiges erzählte ich Muttl doch. Aber so sorglos sollte unsere Liebe nicht bleiben, nachdem wir einen herrlichen Sommer mit Baden Spaziergängen und anderem verbrachten und der Herbst nun seine bunten Farben ausstreute, ging Fredi auf Urlaub nach Moskau. Liesl wollte sich noch einmal aufraffen nur ihre Schwäche wie sie sagte

abstreifen und machte den größten Fehler dabei - sie fuhr weg nach Thüringen und siedelte sich dort an. Ich stand nun das erste mal ganz allein und wollte dem allen auch einen Schlußstrich ziehen und zu Muttl gehen. Da mußte ich wahrnehmen, daß es zu spät war, es ging nicht mehr, denn ich trug ein Kind unter dem Herzen. Damals dachte ich im ersten Moment, es gibt kein weiterleben mehr als ich mich in meiner Herzensnot an Waldemar wandte und ihm das sagte, bereute ich meine vorherigen Gedanken. Seine Augen strahlten von innen heraus und er gestand mir, daß seines Lebens höchstes Ziel ein Kind von mir in Erfüllung ging. Nun sagte er zu mir, ist seine Angst vorbei, daß ich ihn einmal verlassen könnte. Papa, da war mein Schicksal entschieden, ich konnte nicht mehr zurück, mußte allen Dingen ihren Lauf lassen. So leicht war es trotzdem nicht für mich. Wie sollte ich den beiden Menschen vor die Augen treten, die uns damals vertrauensvoll aufnahmen. Wie sollte ich das nur meinen vor Eltern und meinen Geschwistern verantworten ? Bittere Stunden kamen. Die kurzen Stunden des Glücks, wogen die Stunden des Leids nicht auf und das Maß war voll, als Waldemar auf unbestimmte Zeit abkommandiert war. Obschon er mir versicherte, immer für mich zu sorgen und alles in Bewegung zu setzen, dass er bald wieder kommt. Aber der liebe Gott, verließ mich nicht, obwohl ich nun bald wochenlang allein dastand, nicht wusste, ob ich ihn noch einmal sehen werde. So brachte ich doch die Stärke auf, auszuharren.

Anfang Dezember kam er wieder, es begann eine herrliche Zeit für uns. Liesl, die es nicht aushielt, kam auch wieder zu ihrem Fredi. Wir freuten uns auf unser Kind und die Liebe wurde noch tiefer und inniger. Nur eins, darüber kommt Waldemar nicht weg, dass wir uns noch nicht heiraten können und zusammen leben, denn es wurde immer strenger, so daß wir das unten wohnen nur noch bis Anfang diesen Jahres durchführen konnten. Nun habe ich allein ein herrliches Zimmer bei netten Leuten, die mir volles Verständnis entgegenbringen und Waldemar auch sehr schätzen. Nun begann noch einmal ein Kampf. Waldemar wünschte sich unbedingt einen Jungen und sagte mir rücksichtslos, daß wenn es ein Mädchen ist, mir allein gehören kann. Es tat mir weh, obzwar ich für meinen Teil mir ein Mädel wünschte, denn sollte es wirklich nicht möglich sein zu heiraten, ich zumindest etwas habe, daß mir gehört, mir ganz allein. Betete ich zu Gott und wünschte mir für Waldemar einen Jungen – Muttl, der ich Anfang des Jahres alle wahrheitsgetreu schilderte, hat mich verstanden und heute, da sie Waldemar kennengelernt und lieb gewonnen hat den einen Wunsch, uns letztlich glücklich zu sehen. Auch meine Geschwister stehen zu mir und sind vollkommen von der Reinheit der Liebe zwischen Waldemar und mir überzeugt.

Im Juni, am 15. Um 0,50 Uhr im Stadtkrankenhaus kam meine kleine Alexandra zur Welt, da war das Glück voll.

Denn Waldemar liebte sein Kindchen und mich mehr denn je. Wohl war die Zeit vorher schön, doch jetzt fehlen die Worte nur dies alles auszusprechen. Heut weiß ich Papa, was mich nie richtig glücklich werden ließ, weder du noch der Beruf.

Heute bin ich glücklich, ausgeglichen und zufrieden, begehre nichts weiter als das wir nur bald heiraten können. Unser Kindl macht uns viel Freude, und alle haben klein Alexandra ins Herz geschlossen, Günther, Helga Muttl, alle haben sie lieb. Gerta war noch nicht hier. Zu allem Glück sieht sie Waldemar aus dem Gesicht geschnitten. Blond, blaue Augen, groß, schlank, Mund und Nase von ihm.