9. Mai 2015

Erst vor kurzem erfuhr ich von der Gruppe Distelblüten. Auch ich bin eine dieser schönen Blüten. Habe lange nach so einer Gruppe gesucht.

Aus dem Internet erfuhr ich nach langem Suchen, warum in den Medien immer weniger (bis fast gar nicht) der sowjetischen Befreier vom Hitlerfaschismus gedacht wird und die Rolle der Opfer stattdessen immer stärker in den Vordergrund rückt. Man muß sich schon sehr intensiv damit befassen wollen, um die Ursachen zu erkennen. Das friedliche Zusammenleben zwischen Deutschland und Russland ist von mächtigen Kräften nicht erwünscht. Deshalb wird alles getan, um wieder einen Krieg anzuzetteln, Stimmung in der Bevölkerung gegen Russland zu machen. Wir mit unserer Herkunft sollten wachsam sein, und wahrnehmen, was da passiert. Russland will keinen Krieg. Aber wenn sich die NATO immer näher zur Grenze Russlands hin verschiebt, entgegen anderer Absprachen unter Gorbatschow und Genscher, dann fühlt sich Russland zurecht bedroht.

Aber genug davon. Will eigentlich etwas anders schreiben.

 

Am 19. April, dem 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Ravensbrück (heute Mahn- und Gedenkstätte), dem letzten Tag der Feierlichkeiten, versammelten sich um 9 Uhr mehrere Hundert Menschen (aus ganz Deutschland) am sowjetischen Ehrenmal in der Nähe des Bahnhofs, um der hier in der Umgebung gefallenen sowjetischen Soldaten und Offizieren bei der Befreiung des KZ Ravensbrück - um den 30. April 1945 - zu gedenken. Der Verein „Freundeskreis Lagergemeinschaft Ravensbrück“ hatte dazu eingeladen. Der einzige noch Überlebende der damaligen Truppen, Herr Drjabkin, musste aus gesundheitlichen Gründen absagen. Botschaftsverteter mehrerer östlicher Botschaften (Russland,. Weißrußland, Kasachstan?) legten wie viele andere, Kränze und Gebinde nieder. In unseren beiden Regionalzeitungen war dazu leider nichts zu lesen, wohl aber (fast mehrseitig) über die Opfer-Gedenkveranstaltung…

 

Des 70. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus wurde hier im Ort nur von der Partei „Die Linke“ gedacht, an genau diesem Ehrenmal. Selbst der Bürgermeister war nicht gekommen.

 

Dabei hätte der Tag den Status eines Gedenktages verdient! In der DDR war es sogar ein Feiertag. https://de.wikipedia.org/wiki/Tag_der_BefreiungS

Zum Gedächtnis an meinen Vater wollte ich doch eher ein Gedenken einen Tag später, am 9. Mai initiieren, der in Russland „Tag des Sieges“ heißt, weil die Kapitulationsurkunde gegen Mitternacht unterschrieben wurde. Der Ortsteilbürgermeister unserer Nachbargemeinde Altthymen nahm gern meinen Gedanken auf. Dort steht auf einem privaten Grundstück ein Gedenkstein zu Ehren von vier gefallenen Angehörigen der Roten Armee. Eine Einladung in der Regionalzeitung erfolgte auch. Es kamen rund zehn, ausschließlich ältere Personen. Die russische Botschaft in Berlin hatte zwei Botschaftsvertreter mit Kranz entsandt und auch zwei mich sehr bewegende Reden wurden gehalten. Unsere Befreier hier im Osten Deutschlands sind noch nicht ganz vergessen, auch wenn es immer weniger werden, die sich offen getrauen, diesem Teil unserer Geschichte zu gedenken, bzw. die sich eine sachliche Bewertung der objektiven geschichtlichen Vorgänge bewahrt haben. Kriege sind immer grausam, auch nach deren Beendigung.

Waltraut