Gäste 2015

Hier die Gästebucheinträge des Jahres 2015

 

 

 

31. Dezember

Könnten Sie mir bitte helfen, das Buch nach Kanada geliefert zu bekommen? Ich habe bei mehreren Online-Quellen versucht (Marcus Verlag, amazon.de), aber es ist leider keine Lieferung nach Kanada möglich. Das Buch ist sehr wichtig für mich, da ich an der University of Ottawa tätig bin und an einem Forschungsprojekt über Kriegsvergewaltigungen in Deutschland und Bosnien arbeite. Unser Projekt interessiert sich ganz besonders für die Kinder der vergewaltigten Frauen und ihre Lebensgeschichten.

Hierdurch möchte ich zugleich Kontakt zu Ihrer Gruppe aufnehmen.

Mit herzlichen Grüßen aus Ottawa

Prof. Dr. A. S.

Ich vermittele gern den Kontakt - Winfried

 

 

14. Dezember

Danke für den Hinweis auf die "lange Nacht" im dlf am 12.12. mit dem Thema Besatzungskinder. Ich habe die Sendung leider nicht bis zu Ende gehört, weil ich dann doch irgendwann eingeschlafen bin. Allerdings bestimmt nicht vor Langeweile, ich fand die Sendung höchst interessant, berührend, auch sehr ausgewogen stimmig und immer wider auch sehr informativ. Ich habe mich zwar schon intensiv mit dem Thema beschäftigt, da ich selbst Als "Russenkind" Betroffene bin, aber einiges war ganz neu für mich, nicht nur die sehr persönlichen Lebensgeschichten wie von Marianne und Winfried, denen ich hier ganz besonders für ihren Mut, ihre Offenheit und ihr Engagement gratuliere.

Gibt es einen Mitscnitt oder einen Link, um sich das ganze nochmal anzuhören? rh

 

Antwort: Ja, auf die Startseite gehen. Dort ist der Link zur Mediathek. Später gilt: Mitschnitt von mir als Mailanhang anfordern. Winfried.

 

 

Am 16.November

durften wir, Gunter und ich, im St. Antonius Stift in Ostritz / bei Görlitz unser Buch "Distelblüten..." vorstellen und eine Lesung durchführen. In Ostritz ist Gunter aufgewachsen.

Der Leiter des Antonius Pflegestiftes hatte die Einrichtung zur Verfügung gestellt und selbst im Ort dafür engagiert geworben. Ihm gebührt unser Dank.

Anlass der Lesung war die Friedensdekade. Ort der Lesung, der Andachtsraum, in dem sonst die Gottesdienste stattfinden. Das Rednerpult für unseren Auftritt stand vor dem Altar. Da wurde sogar mir als religiös nicht Gebundene feierlich zumute.

Wir waren beide aufgeregt, Gunter und auch ich. So ganz locker schütteln wir eine solche Lesung doch nicht aus dem sog. Ärmel.

Für Gunter war es ein "Heimspiel" und er sagte mir einige Tage später, er habe an dem Abend ein kg abgenommen!!

 

Als 19.15 Uhr einige Heimbewohner im Saal erschienen waren, war ich noch etwas skeptisch. 19.30 Uhr war der Beginn. Würden die Ostritzer Bürger noch kommen? Dann kamen sie! Stühle und Bänke mussten noch hereingetragen werden. Die meisten kannten Gunter und begrüßten ihn. Das war schon ein tolles Gefühl. Es waren ca 70 Ostritzer da.

In einer Pause gab es viele persönliche Gespräche. Vor allem mit Gunter. Er erfuhr an diesem Abend, was er früher hätte wissen wollen.

"Dein Vater war ein hübscher Mann. Ein Frauenschwarm". " Deinen Vater kannten wir. Er hat bei uns Holz gehackt." usw. Die Ostritzer Bevölkerung wusste also, was Gunter nicht wusste. Wer sein Vater war, wie er aussah, dass er und seine Mutter eine Beziehung hatten u. mehr.

Das war für ihn ein bewegender Abend. Auch für mich.

Es gab viel Interesse an unserer Sache im anschließenden Gespräch. Ein dem Anlass angemessener Abschluss war das gemeinsame "Vater Unser". Der Gemeindereferent hatte an unserer Veranstaltung teilgenommen.

Dank auch an Gunters Sohn und seinen Enkel, die die Technik bedienten und unsere Lesung mit Bild und Ton begleiteten.

Von den Ostritzern wurden 17 "Distelblüten ..." Bücher erworben.

Eine gelungene Veranstaltung.

Ich habe eine nächste Lesung, gleich am 4. Januar in Löbau und ich hoffe, es werden 2016 weitere folgen.

Die Menschen sind interessiert! Ich möchte alle Mitautoren ermutigen.

Birgrit

 

29. September

Liebe Disteln,

sicher kennt Ihr meine Ambitionen, unser Sein in Verse fassen zu wollen. Und wenn sie auch literarisch nicht der ersten Klasse entsprechen, so setzen sie sich dennoch mit unserem Schicksal auseinander und lassen hoffentlich eine Erinnerung an uns erkennen.

Gerne werde ich Euch auch noch andere Distelgedichte präsentieren, die ich an meiner Bienenhütte am Hügel schreibe und selbst Freude daran habe.

Euer Reinhard /Riwan

 

Eine Distel der Russenkinder Distelblüten

 

Es wächst eine Distel bei mir auf dem Hang.

Sie leuchtet herüber, ich seh sie gern an.

Stechende Blätter, aber steht schön in Blüte,

sind leuchtend lila, wird mir wohl im Gemüte.

 

Ich erkenn in der Distel mein eigenes Sein,

außen sehr stachlich, im Herzen doch rein.

Steh oft am Wegrand und nicht sehr beachtet,

dort sehe ich viel, bin hell, nicht umnachtet.

 

Sehe viele Menschen im beständigem Lauf,

fließen eilends vorüber, halt sie nicht auf.

Will nicht mehr sehen den ständigen Fluss,

sitz gern am Hügel, daran hab ich Genuss.

 

Am Hügel, da denk ich sehr oft auch daran,

wie versteckt es mit meinem Dasein begann.

War nicht das Kind, so, wie andre genormt,

stammte vom Russki, das hat mich geformt.

 

Den Namen vom Vater, den kannte ich nicht,

doch in meinen Träumen seh ich sein Gesicht.

Die Mutter hat später von ihm kurz erzählt,

hieß Nikolai, sie nicht mit Gewalt ausgewählt.

 

Nikolai war Offizier im russischen Bataillon,

stationiert nach dem Krieg in Sudentenregion.

Bin dort geboren, bis man Deutsche vertrieb,

ohne Heimat, daher hab ich Russland sehr lieb.

 

Ich seh meine Distel, denk an die andren dabei,

sich in Leipzig getroffen, ein freudiger Schrei.

Wir, zusammen, siebzig Jahr nach dem Krieg,

Schade, dass so lang dieses Thema man mied.

 

26. September 2015

Es ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Ermuntern möchte ich durchaus hier Einzelbeiträge einzubringen. So habe ich in den letzten drei Wochen für mich beeindruckende Meldungen erhalten, die aber als privater Beitrag gedacht waren. Dafür danke ich.

Winfried

 

3. September 2015

Lieber Herr Behlau,

zusammen mit Ihrem Buch “Distelblüten” (das ich in Zürich bestellt hatte) habe ich von Ihnen, zu meiner grossen Überraschung, noch ein paar so nette Worte und ein richtiges kleines Kunstwerk bekommen. Für Beides möchte ich mich bei Ihnen sehr, sehr herzlich bedanken. Das war eine ganz besondere Freude für mich.

Inzwischen habe ich das Bändchen mit grösstem Interesse und tiefer Anteilnahme gelesen. Wie gut, konnten wenigstens ein paar Dutzend Menschen, die ein ganzes Leben lang, zusammen mit ihren Müttern und Vätern und der ganzen Familie durch dieses Schweigen gelitten haben, endlich darüber sprechen, sich damit von der jahrzehntelangen Last befreien und den Bann des Tabu’s durch deren Offenlegung brechen. Ihr Beispiel wird gewiss noch vielen Betroffenen helfen, auch sich befreien zu können.

Ich erinnere mich nicht genau, aber ich hatte Auszüge aus den “Distelblüten” entweder in der Zeitschrift “Geo” oder im “Stern” in einem Café gelesen. Da ich mich mein ganzen Leben lang brennend für alle Facetten der unheilvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts interessierte und mich seit Jahrzehnten intensiv (ich bin heute 86 Jahre alt) mit Hilfe von unzähligen Büchern informiert habe, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, auch über diesen Aspekt mehr und so persönliche Aussagen erfahren zu dürfen.

Ich gratuliere Ihnen und Ihren ehemaligen “Mit-Leidenskindern” herzlich und wünsche Ihnen Allen alles Gute..

Mit freundlichen Grüssen L

 

15. August 2015

Während meines Reha Aufenthaltes in der Median Klinik Berggießhübel erhielt ich die Möglichkeit eine Lesung zu unserem Buch zu machen. Der erste Auftritt mit meiner neuen Hüfte.

Es war brütend heiß und auch am Abend war es in dem Veranstaltungssaal noch wie in einem Schwitzkasten.

Es waren sechs Interessierte gekommen. Vielleicht war es den Leuten zu heiß oder das Thema nicht willkommen.

 

So war es im kleinen Kreis ein sehr offenes Gespräch. Einige Textstellen las ich und über andere der Autoren erzählte ich.

Der Videoeinspieler "Eigentlich" bewegte.

 

Immerhin wurde eine Stunde und 15 min daraus.

Bemerkenswert war das, was eine der Teilnehmerinnen berichtete.

"Meine Mutter hat oft erzählt, dass sie Zeuge von Vergewaltigungen war. Als ein Russe ein vierzehnjähriges Mädchen vergewaltigen wollte, ging deren Mutter dazwischen.

Ihr wurden mit dem Gewehrkolben die Zähne ausgeschlagen. Sie konnte die Vergewaltigung der Tochter nicht verhindern" aber, so berichtet die Frau weiter: "Meine Mutter hat solche Handlungen nie verurteilt. Sie hat immer gesagt - auch die Deutschen haben das getan. Und ich weiß nicht, ob nicht mein Mann oder mein Bruder auch solche Taten begangen haben - "

Bei dieser Aussage habe ich Gänsehaut bekommen.

Ich habe das so bisher von noch keinem gehört. Bereit zu sein

zu dem Eingeständnis, auch die Männer der eigenen Familie, die im Krieg waren, könnten unter diesen Umständen dazu fähig gewesen sein. Dem geliebten Mann, dem lieben Bruder, dem Sohn trauen wir das nicht zu.

Auch aus meiner Familie waren zwei Söhne meiner Großmutter, die Brüder meiner Mutter an der Ostfront.Sie sind nicht zurückgekommen. Keiner mag glauben, dass auch sie unter Kriegsbedingungen anders gewesen sein konnten als in Friedenszeiten. Und über die, die dann gefallen sind, lässt die lebenslange Trauer keine solche Vermutungen zu.

Mich hat dieses Gespräch sehr nachhaltig berührt.

Die Kulturverantwortliche der Klinik hat für zwei ihrer Verwandten unser Buch bestellt.

Birgrit

 

10. August

Schade , daß wir alle so weit auseinander wohnen und man sich nicht persönlich austauschen kann , es wäre sicher schön zu erfahren wie jeder einzelne mit dieser Situation umgeht und der Suche nach seiner Indentität . Es ist gut von Anderen etwas zu erfahren und das Buch trägt dazu bei

Schönes Wochenende Margitta

(Anmerkung. Man kann auch telefonisch Kontakt aufnehmen. Winfried)

 

5. August 2015

Ich habe mir das Buch Distelblüte auch sofort gekauft und nicht aufgehört zu lesen, immer schon habe ich mich gefragt, ob es nicht noch andere Menschen mit dem gleichen Schicksal gibt und mich dann gefreut auf diese Seite gestoßen zu sein. Vor Jahren habe ich immer Russenkinder bei Google eingegben aber nie etwas gefunden, ich wohne in B. und kenne nur eine Frau die aus einer Liebesbeziehung ihrer Mutter zu einem Russen stammt und habe ihr gleich das Buch Distelblüter empfolen. Freue mich über die Eintragungen im Gästebuch. Liebe Grüße Margitta

 

20. Juni 2015

Liebe andere RuKi´s

erst seit kurzem stehe ich im Birgrit-Mail-Verteiler, und aus der Gruppe kennt mich außer Winfried und Birgrit keiner. Vielleicht ist es nicht mal aufgefallen, dass ich dazugekommen bin… Ihr alle habt Euch mehr oder weniger bereits bei Treffen kennengelernt - ich hingegen bin erst jetzt auf Euch gestoßen, bei einem weiteren meiner vielen Anläufe der Suche nach Menschen mit gleichen Vorfahren, also deren Väter der Roten Armee angehörten. Erst stieß ich auf den Berliner Verein um Anatoly, war da aber quasi etwas falsch, weil ich meinen Vater nicht mehr suchte, denn ich hatte ihn schon vor 45 Jahren gefunden. So entstand ein Mail-Kontakt zu Eurer Gruppe und ich bekam auch das Buch „Distelblüten“ zugeschickt und hab es doch recht bewegt gelesen, welche Lebensschicksale Ihr zum Teil habt erfahren müssen. Für unsere Herkunft können wir alle nichts. War aber permanent ein wichtiger Teil meines Lebens. Auch ich wollte mehr über diese Sow-jetun-ion. wissen, fuhr auch hin zu meiner Verwandtschaft und fand bestätigt, dass es die sprichwörtliche russische Seele unter den Menschen dort tatsächlich gibt. Nun konnte ich mich auch besser verstehen. Aber die Politik der letzten Jahre steht dem ja dimateral entgegen. Führende pol. Kreise sehen in den Russen einen neuen /alten Feind, wollen ihn sehen und suchen ihn geradezu. Deshalb bin ich auch sehr kritisch geworden, mit dem, was heutzutage alles zu lesen und zu hören ist, was uns als „Wahrheit“ tagtäglich in den Medien erreicht. Wohne leider in einer dünn besiedelten Gegend, in der es schwer ist, Gleichgesinnte zu finden. Dabei wäre es gerade an uns, sich über das Persönliche hinaus für Frieden zwischen den Völkern einzusetzen.

Will damit mit meiner Vorstellung enden. Wer mehr lesen will, findet etwas von mir unter dem Link „FORUM - 9. Mai“ auf „unserer“ Internetseite. Für die Einrichtung dieser Internetseite gehört all denen mein großer Dank, die viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit für die „Grundinstallation“ und permanente Aktualisierung aufgebracht haben und aufbringen.

Vielleicht höre ich mal von dem einen oder anderen. Es würde mich freuen. Denn nach Leipzig zu einem möglichen weiteren Treffen werde ich nicht kommen können. Ich wohne an der Grenze Land Brandenburg / Mecklenburg-Vorpommern.

So grüße ich Euch alle (Ihr, die wir letztlich doch weiträumige Verwandte sind) unbekannterweise und wünsche Euch bestes Wohlergehen.

Waltraut

 

14. Juni 2015

Bis erst gestern durch Zufall über die Vorstellung

des Buches " DISTELBLÜTEN" gestolpert. Bis gestern glaubte ich der einzige RUSKI auf der Welt zu sein.

 

69 Jahre Schweigen. Gratulation ich muss schon sagen, das hatte ich nicht mehr erwartet.

Jetzt muss ich lesen, lesen..

 

PS:

Ernesto ist mein Künstlername.

Hat etwas mit dem Ruski zu tun.

 

11. Juni 2015

 

Heute melde ich mich noch einmal zu Wort. Mit einem Hinweis an alle, die diese Seite lesen, sich zu Wort gemeldet haben, gern mit der Russenkindergruppe in Gedankenaustausch treten möchten, aber die große Internetplattform noch meiden möchten.

Ihr findet ja hier eine mail Adresse, das ist die von Winfried, der Ansprechpartner unserer Russenkindergruppe ist. Wer dahin schreibt und das dann freigibt nur für die Gruppe, kann den Austausch im größeren Rahmen, über unseren Gruppenverteiler, aber dennoch intern pflegen.

Ich schließe mich Josi an, dass bei uns natürlich Interesse besteht, wenn Ihr Euch hier zu Wort meldet, mehr zu erfahren. Und ich möchte Euch Mut machen, Euch zu öffnen. Uns allen hat das gut getan.

Ich schreibe das jetzt für die, die gern in unsere Gruppe integriert sein möchten. Seit unserem Treffen im März sind das Vier. Euch möchte ich sagen, schreibt Eure Geschichte auf. Muss nicht für ein Buch sein, für Euch selbst oder in Gedanken an die Mutter oder den unbekannten Vater, das ist befreiend. Sich frei schreiben.

Eine sehr herzliche Begegnung hatten wir in Hannover. R., die weiter unten einen Beitrag geschrieben hat, kam spontan zu der Abendveranstaltung und wir konnten uns persönlich kennenlernen. Das war so schön und ist immer gut. Ich denke du - R. - wirst dich bald allen zu erkennen geben.

Mach es über eMail. Geht auch über meine: birgritkaren@aol.com denn Winfried wird jetzt erst mal wohlverdienten Urlaub machen.

Birgrit

 

9.Juni 2015

Dankeschön, liebe Brigrit und lieber Winfried für Eure ausführliche und aufschlussreiche Berichterstattung aus Hannover. Das ist ja alles wahnsinnig spannend und sehr interessant. Unglaublich, wie plötzlich über alles gesprochen werden kann und wird. Gut, dass endlich das große Schweigen beendet wird.

 

@Uli: schön, dass du zu uns gefunden hast, herzlich willkommen in unserer wunderbaren Gruppe und unserer wunderschönen Internetseite.Ich glaube, Du könntest uns über Dein Schicksal noch mehr erzählen. Ich lese da vieles aus Deinen worten heraus.

Josi

 

 

6. Juni 2015

Nur durch Zufall bin ich auf diesen Link gestoßen.

Liebe "Brüder und Schwestern" des Zeugungstages 8. Mai 1945 und um diesen Zeitpunkt herum. Ich habe mich oft gefragt, ob man nicht einmal die Geburtsregister in Deutschland um den 10. Februar 1946 (mein Geburtstag) befragen sollte. Wird die Zahl 100.000 "Russenkinder" wirklich ausreichen? Als Kind dachte ich immer ich wäre allein ohne richtigen Vati, der Ehemann meiner Mutter fiel in Orel 1943 und wurde bei uns zu Hause von meiner Mutter und meinem Bruder Vati genannt. Erst sehr viele Jahre später musste ich erkennen, dass ich viele "Geschwister" habe.

Ich erfuhr im Alter von ca. 4 oder 5 Jahren in der damaligen DDR davon (dort war zu dieser Zeit das Thema tabu), dass "mein Vati", der Vater meines 6 Jahre älteren Bruders, der mit 16 Jahren dort verstarb, nicht "mein Vati" war. Meine Mutter erzählte es mir, als ich sagte: "Die bösen Russen haben meinen Vati erschossen!" Um zu verhindern, dass ich auf diese Aussage in der Öffentlichkeit Probleme erhielt, erzählte sie mir, dass mein Vater ein russischer Soldat (Offizier) war, sie sei vergewaltigt worden. Die Welt brach damals für mich zusammen. Mit 11 Jahren (ohne meinen Bruder) flüchtete meine Mutter dann mit mir "in den Westen". Nach der Wiedervereinigung bin ich sehr oft dort zu Besuch gewesen, wo die Vergewaltigung geschah und ich 11 Jahre meines Lebens verbrachte. Meinen Vater habe ich immer vermisst.

Ich grüße alle "Brüder und Schwestern"!

Uli

 

30. Mai 2015

Liebe Distelblüten, der Filmbeitrag von Knud Vetten war sehr schön gemacht. Ich glaube, er brachte vielen Zuschauern erstmals diese Thematik nahe. Von vielen meiner Facebookfreunden erhielt ich ein sehr positives Feedback. Das Thema wurde trotz der Kürze der zur Verfügung stehenden Sendezeit sehr informativ gestaltet, wobei mir auch viele schrieben, dass sie gern die ganzen Geschichten erfahren hätten. Einige haben das auch auf der Facebookseite von Exakt kommentiert und angeregt, doch eine längere Sendung zu machen und jedem einzelnen Schicksal mehr Zeit zu widmen. Die mdr-Redaktion war von dem Film sehr angetan. sie antworteten auf Facebook auch, dass sie darüber nachdenken und an dem Thema dranbleiben. Schön wär es deshalb, wenn diejenigen von uns, die auf Facebook zugange sind, wenigstens Gefällt mir anklicken und den Fernsehsender auch mal loben würden.

Josi

 

 

28. Mai 2015

Habe mir die Sendung angeschaut.

Ich hatte für mich lange das Thema beiseite gelegt, nachdem ich vor ca. 15 Jahren, als ich die Wahrheit erfuhr, einiges unternommen hatte, um vielleicht eine Spur meines Vaters zu finden.

Leider nicht erfolgreich, aber für mich selber doch von Bedeutung. Habe russisch gelernt, war auch öfter in Russland, um nachzuspüren, wie es sich für mich anfühlt, - dort; russische Seele (wenn es sie denn gibt) in mir zu entdecken.

Das waren meine Versuche, zu einer inneren Ganzheit zu gelangen, so etwas wie ein später Heilungsprozess, wenn das nicht zu dramatisch klingt.

Und doch rütteln solche Berichte oder auch die Sendung wieder an dem scheinbaren Frieden.

Damals war ich damit zufrieden, es wenigstens versucht zu haben, aber ich merke, es lässt mich nicht los. Manchmal sind es Kleinigkeiten, wie die Frage, ob mein Vater dieses oder jenes Buch vielleicht auch gelesen hat, ach und vieles mehr.

Jetzt war ich augenblicklich davon angerührt, ob nicht ein Austausch mit anderen Suchenden, vielleicht auch mir noch einmal Hinweise geben könnte und vor allem empfinde ich so etwas wie eine Geschwisterlichkeit, wenn ich das so benennen kann.

Ich merke mein Bedürfnis, mich mitzuteilen und auszutauschen, dem ich jetzt hier einfach mal nachgegeben habe.

Du bist den Weg gegangen, über Deine Biographie zu schreiben und zu sprechen. Das muss doch mit einer großen inneren Veränderung einhergegangen sein, so zu sich zu stehen und sich anzunehmen, mit sicherlich auch grosser positiver Resonanz von den Zuhörern, die zurückwirkt.

Also, nochmals danke und einen herzlichen Gruß

R

 

23. Mai 2015

A very strange thing: The German soldiers here registered the children the soldiers had with Norwegian girls, the Lebensborn-register has about 12.000 German-Norwegian children in their archive. But no one has ever tried to find the Russian-Norwegian children here, except for the work I have been doing the last 15-20 years. I have not found many children, about 18, and I have registered them in a manuscript that I call "Father, where are you?" I am quite sure there are several more Russian-Norwegian children, but nothing has been published about these children and their life and search for their fathers' families, except for a few tv programs. I am sure we could find more children if articles about them could be published.

I have located the families of many Soviet soldiers/fathers in Russia, Ukraina and Belarus, and I have brought some of these children together with their fathers' families. I am a retired newspaper journalist, and I have also worked with the national tv station (and still do) in locating the families in the east on behalf of the Norwegian children/families. Together with a friend we started a very popular tv program in 1996, locating people all over the world and connecting family members.

I am living in Trondheim, and I have spent 34 years as a journalist with "Adresseavisen", the oldest newspaper in Scandinavia, and a year with television.

Per

 

 

22. Mai 2015

There is also a union for Russian-Norwegian children in Norway. There were 100.000 Russian POW in Norway in 500 camps all over the country. 5000 Soviet soldiers in Northern Norway from Septemner 1944 - August 1945. 13.370 prisoners died in prison camps here. We do not know how many Russian-Norwegian children there are in Norway.

Es gibt auch eine Gemeinschaft Russisch-Norwegischer Kinder in Norwegen. Es gab 100.00 russische Kriegsgefangene in 500 Lagern in Norwegen. In Nord-Norwegen gab es vonSeptember 1944 bis August 1945 5000 Sowjetsoldaten. 13370 Gefangene starben in Gefängnislagern. Wir wissen nicht, wie viele Russisch-Norwegische Kinder es in Norwegen gibt.

(per Mail eingegangen)

 

22.Mai

Erst vor kurzem erfuhr ich von der Gruppe Distelblüten. Auch ich bin eine dieser schönen Blüten. Habe lange nach so einer Gruppe gesucht.

Aus dem Internet erfuhr ich nach langem Suchen, warum in den Medien immer weniger.... mehr auf der Seite FORUM Menüpunkt : 9. Mai

 

 

18. Mai 2015

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich studiere zurzeit im vierten Semester Gesundheitswissenschaften an der Universität Bremen. In einem Projekt, welches ich mit meiner Kommilitonin Sarah Kirsch durchführe, interessieren wir uns für Lebensläufe einzelner Menschen. Mithilfe des narrativen Interviews untersuchen wir die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen wie Vergewaltigungen auf den weiteren Lebenslauf. Wir haben schon ein Interview mit einem Russenkind geführt und möchten uns so nun bewusst dieser Thematik widmen.

Wir möchten gerne noch ein ähnliches Interview persönlich oder per Telefon führen. Wir möchten niemanden zwingen über ein solches Thema zu reden und sollte es zu einem Kontakt kommen, kann dieser jederzeit abgebrochen werden ohne, dass wir nachhaken.

 

Über eine Rückmeldung würden wir uns sehr freuen.

 

Mit freundlichem Gruß

Sarah Teuber <sarah-teuber@gmx.de>

 

18. Mai 2015

Im Funkhaus Europa hörte ich gestern einen Beitrag zu "Distelblüten". Dass das Buch lesenswert ist, finde ich auch. Aber dass der Herausgeber LEIDER die Beiträge nicht bearbeitet hat und die Texte damit holprig sind, finde ich nicht. Gerade weil jeder seine eigene Sprache behalten konnte, ist das Buch bemerkenswert.

Anton

 

18. Mai 2015

Liebe Disteln,

ich bin überzeugt, dass alle, die Mariannes Beitrag im Forum lesen werden, ihr den allerhöchsten Respekt für diese Darlegungen zollen werden. Marianne hat sozial, persönlich, wissenschaftlich, hoch emotional unser Dasein und Befinden dokumentiert, wie ich es nicht für möglich gehalten habe, dass eine Betrachtungsweise so dargelegt werden kann.

Mir fehlen die Worte. Danke. Höchste Achtung. Ich werde diesen Beitrag immer wieder lesen.

Ich grüße alle Disteln. Riwan

 

14. Mai 2015

Liebe Russenkinder,

viele lustige Gesellen sind heute unterwegs. Ich mache Zeitungsschau.

 

Ich war am 08.Mai zur Besatzungskinder Tagung in Köln dabei.

Erst heute wird mir so richtig bewusst, dass an diesen beiden Tagen, der 8.Mai gar nicht erwähnt wurde.

Ohne die "Befreier" oder "Besatzer", da mag es unterschiedliche Sichtweisen geben, ohne sie gäbe es uns nicht.

 

Nicht von den offiziellen Rednern und nicht in den Randgesprächen mit Besatzungskindern verschiedener Herkunft spielte der Bezug zum 8. Mai eine Rolle, obwohl die Tagung selbst ja diesem Tag gewidmet war.

Ein bischen schäme ich mich dafür, dass ich selbst dazu nichts hineingetragen habe, es gab Möglichkeit zur Diskussion.

 

Im Rückblick auf die Tagung wird mir bewusst, dass die Problematik der Russenkinder allgemein und die der im Osten speziell,

stärker ins Blickfeld der Forschung gerückt und vor allem differenzierter gesehen werden muss.

Bis zur Wende und vielfach bis heute spielte sich alles mehr im familiären Rahmen.

 

Eine holländische Tagungsteilnehmerin - deutsches Besatzungskind, hat ein Buch geschrieben, über die Mütter der Besatzungskinder.

Dazu hat sie 55 Frauen interviewt, anfangs fand sich kein Verlag, in Holland ist das immer noch ein völliges Tabu. Inzwischen ist das Buch erschienen.

 

Ja, unsere Mütter, ihre Liebes- und Leidensgeschiechten wären es wert aufgeschrieben zu werden. Renate in den USA hat damit begonnen.

Aber auch das Leben unserer Väter nach dem Krieg. Viele sind schon tot, wir können sie nicht mehr fragen. Und diejenigen, die noch leben. Würden sie reden? Unsere Mütter und unsere Väter. Wieviel Zeitzeugen gibt es noch? Könnte das eine Herausforderung sein, der wir uns noch stellen?

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Empfehlen möchte ich Euch einen Artikel von Friedrich Schorlemmer - ND 08.Mai " Dass ein gutes Deutschland blühe" - geht zu googlen. Mit seiner Sichtweise kann ich mich sehr gut identifizieren.

Wenn ich an diese Dinge denke, so ist für mich heute auch Vatertag.

Liebe Grüße an Euch alle

Birgrit

 

 

12. Mai 2015

Liebe Schicksalsfreunde,

soeben ist das Buch: "BESATZUNGSKINDER. Die Nachkommen alliierter Soldaten in Österreich und Deutschland. Böhlau 2015, von Barbara Stelzl-Marx und Silke Satjukow erschienen. Meine autobiografische Geschichte findet man unter: Bericht einer französischen Tochter von Elisabeth F.

Weiters sende ich den Link zur Website htt://www.abgeangig-vermisst-.at

Hier gibt es viele weitere Berichte über Besatzungskinder.

Ebenso zu lesen ist die Geschichte über meine verschwundene Tante "Christine Umgeher"

Liebe Grüße

Elisabeth

 

3. Mai 2015

Jan Henne von GEO hat einen nach meinem persönlichen Dafürhalten sehr schönen Text als Überleitung zu den Geschichten in der GEO und zum Video geschrieben.

Für diejenigen unter uns, die den Text nicht von der GEO-Facebookseite lesen können hier der Text:

"Russenkinder, die Nachfahren sowjetischer Soldaten und deutscher Frauen haben lange geschwiegen über das Stigma ihrer Kindheit. In der aktuellen GEO-Ausgabe erzählen einige von ihnen zum ersten Mal. Und im Video-Interview berichtet die TOCHTER EINES ROTARMISTEN von einer ganz besonderen Wendung des Schicksals." (die Großschreibung stammt von mir, weil es mir sehr gefällt, dass er mich Tochter und damit uns als Kinder der Rotarmisten bezeichnet, was wir ja auch sind. Klingt irgendwie achtungsvoll, stolzmachend. Was haltet Ihr davon? Vielleicht können wir uns ja darüber einmal austauschen. :-)

Josi

 

02.Mai 2015

Bedrückende Geschichte, die deiner Mutter, Renate. Mir fällt auf, dass sie sehr freimütig über die Zwillingsschwangerschaft schreibt, das war je eine Vergewaltigung und auch über ihre Heirat und vieles mehr. Dann nur, dass sie im 8. Monat schwanger war, als sie nach Deutschland kam. Man hat den Eindruck, da rankt sich ein Geheimnis um deine Zeugung. Und ein Grund, weshalb ihr dazu bis über den Tod hinaus der Mund verschlossen blieb. Vielleicht ist die Verschickung von ihr nach Deutschland eine wohlwollende Geste deines Erzeugers gewesen. Verfolge mal die Spur, an die du jetzt denkst. Viel Glück dabei.

Birgrit

 

 

30. April 2015

So, nun ist mein Interview auf der Facebookseite von GEO veröffentlicht - ich würde es als Einspieler für die Printausgabe ansehen.Ich finde, es ist viel von dem, was als spannende Geschichte und große Emotion alles gesprochen war verlorengegangen, weil es leider auf 4 Minuten zusammengeschnitten werden musste. Malte und Jan haben sich die größte Mühe mit mir gegeben. Es war nicht einfach für sie, meine ewig langen Schachtelsätze in kürzere umzuformulieren. Ich finde, man sollte vor so einem Film-Interview alles einüben. Ich hatte so viele schöne Sätze gesprochen und Aussagen gemacht, die ich eigentlich für nötig hielt, andere Aussagen wiederum hab ich auch vergessen zu machen in der Aufregung. Trotzdem danke ich der GEO, dass sie unser Anliegen so schön in Szene gesetzt hat. Am ganzen stört mich aber nur meine bescheuerte Frisur :-) Trotzdem waren heute auf FB mehr als 9000 Zugriffe, 91 likes wegen der Geschichte. Wir sind auf einem guten Weg, denke ich.

Josi

 

29.April 2015

Ich möchte mich allen anschließen, die sich anerkennend zu dem GEO Beitrag geäußert haben. Unser Anliegen ist von M.Mesenhöller sehr gut dargestellt worden. Sehr treffend auch die Bildunterschriften, die die unterschiedlichen Erfahrungen und Bekenntnisse von uns deutlich machen. Gut ausgewählt aus dem Buch. Auch die Zitate. Deutlicher hätte ich mir einen Hinweis auf das Buch, ISBN und unsere Homepage gewünscht. Auch die Fotos sind professionell gemacht, obwohl ich von mir selber beim ersten Anblick erschrocken war. Da ich alle persönlich kenne, möchte ich für die allgemeine Leserschaft bekunden: Wir sind auch fröhliche Menschen. Der ernste, eher nachdenkliche Gesichtsausdruck wurde von der Redaktion gewünscht.

Birgrit

 

27. April 2015

An dieser Stelle möchte ich mich für die vielen Glückwünsche zum Geburtstag bedanken. Es kam so viel per Mail, Telefon und Post an! Das bin ich nicht gewohnt. Streichelt aber die Seele. Danke.

Winfried

 

 

26. April 2015

Ich habe jetzt den GEO Bericht schon wiederholt gelesen und ich muss sagen, es ist gut geschrieben und trifft den Nagel auf den Kopf, besonders mit der verstärkten Prügel, die wir einstecken mussten und auch Selbstmordgedanken. Bei mir war es der Gedanke, den ich gleich in die Tat umsetzte als ich 8 Jahre alt war, damals war ich mit meiner Mutter in Hessen um ihre Zwillingsschwester zu besuchen, ich wurde gar nicht beachtet - niemand hat sich um mich gekümmert, meine Mutter sagte die ganze Zeit nur das sie viel lieber ihre Nichte als Tochter hätte als mich, da habe ich mich ganz bewusst entschlossen, dass ich in ein Auto laufe, und das habe ich getan. Ich habe mich oft gefragt, was wohl gewesen wäre, wenn das Auto nicht sofort eine Vollbremsung gemacht hätte.

R. Brown USA

 

 

25. April 2015

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Seite, zu dem Distelblütenbuch und zu dem tollen Bericht in der GEO. Ihr seht alle wunderschön aus. Ich glaube mein Fotograf wird das nicht so künstlerisch hinbekommen - aber ich lass mich überraschen. Die Russenkind-Problematik hat Dr. Mathias Mesenhöller toll dargestellt. Ich freue mich sehr. dass wir so ein Interesse erfahren und die besten Journalisten und Fotografen sich unseres Themas annehmen. Das alles haben wir auch Winfried und Brigrit zu verdanken, die unermüdlich eine wunderbare Arbeit für uns alle leisten und auch uns selbst, denn es gehört Mut und Selbstbewusstsein dazu, unser Schicksal öffentlich zu machen.

Josi

 

 

22. April 2015

Hab mir alles gleich angeschaut - geht unter die Haut!

Wenn du darüber erzählt oder gelesen hattest fand ich das sehr beeindruckend. Und eigene Gedanken darüber kamen hoch. Der Schulfreund meines Mannes ist auch ein "Russenkind". Seine Mutter verstarb, ohne etwas darüber zu berichten, so sagte er es uns jedenfalls. Und er selbst will angeblich nichts darüber in Erfahrung bringen. Meine Großmutter und ihre Schwägerin wurden von "Russen" vergewaltigt. Sie wurden nicht schwanger. Aber krank.

Das Bild ist ja auch sehr kreativ gestaltet. Das muss einem erst einmal einfallen! Sehr künstlerisch und aussagekräftig.

Da ich bei unseren Zirkelzusammenkünften oft nicht anwesend sein konnte, habe ich es überhaupt nicht mitbekommen, dass dieses Buch erschienen ist.

Sicherlich kann ich bei dir ein Exemplar erwerben.

H - Zittau