Gäste 2016

Hier die Gästebucheinträge des Jahres 2016

 

 

 

6. November 2016

Seit 2015 , durch die Vorstellung im Rahmen des Kriegskindertreffens , ist mir Eure Arbeit bekannt, war ich aufgewühlt

von dem Buch "Distelblüten" und freue mich sehr eine so wertvolle Gruppe -Betroffener- unter uns, im Kreise von -Born

of War i.n .(International -network) zu wissen.

Ich stelle mich wie folgt vor: Heinz- Michael Ernst Sturm, Lebensbornkind, geboren im "Heim Pommern", Bad Polzin.

"IM LEBENSBORN GEBOREN - HERKUNFT VERSCHWIEGEN, ein Leben mit einer Lüge,- WARUM ?"

Ich bin ein Lebensbornkind, aber auch ein Kriegskind ! Ich gehöre zu der Generation die das Schweigen der Mütter quasi

mit der Muttermilch eingesogen hat.

Es gilt das Schweigen unserer Mütter zu durchbrechen, dem Unrecht ein Gesicht zu geben und Geschichte werden zu lassen.

Wir/ Ich können/kann nichts an dieser Tatsache ändern,- aber: Wir stehen in der Pflicht zu reden !

Wir dürfen uns nicht länger hinter einer falschen Scham verstecken !

Wir sind die letzen einer Kriegsgeneration in der das -Schweigen- Pflicht war !

Offen zu reden, - das sind wir uns selber Schuld, Zeugnis ablegen und nach Antworten und dem W A R U M zu suchen.

H.-Michael Sturm

Grpnheide/Mark, 5. November 2016

 

3. November 2016

Spuren im Leben

 

Die zahlreichen Geschwister meiner Mutter sind alle verstorben. Sie hatten spannende Lebensläufe und ich hätte diese gern aufgeschrieben – tat es aber nicht rechtzeitig. Die Spuren des Vaters sind jetzt schon verweht. Was bleibt von mir nach Hunderten von Jahren? Werden es nur die schwer auffindbaren Knochen und verwehte Asche sein? Meine Gene werden lange nachweisbar sein in den Ahnenreihen vieler Menschen. Jetzt habe ich sechs Enkel. Aber ich, meine Persönlichkeit und Erlebnisse werden vergessen sein. Dann bin ich endgültig gestorben.

 

2012 sah ich in der libyschen Wüste Reifenspuren aus dem II. Weltkrieg, die schon Jahrzehnte überdauert hatten. Wandmalereien aus grauer Vorzeit konnte ich da betrachten. Welche Spuren werde ich hinterlassen? Meine Taten und Werke sind zu unbedeutend um in die Geschichtsbücher einzugehen. Ich könnte nur Worte hinterlassen.

 

Am Anfang war es schwer Erinnerungen in Sätze zu fassen, irgendwann ging es fast von selbst. Es hat mir selbst gut getan, mein Leben zu reflektieren, einen Abschluss zu finden.

Inzwischen lernte ich viele Menschen kennen, die in ihrem Leben etwas vergraben haben, nicht darüber sprechen wollten und unter diesem Schweigen leiden. Ich möchte sie ermuntern, darüber zu schreiben. Stil und Grammatik sind völlig egal. Jeder kann seine Spur hinterlassen. Dafür sind uns Worte und die Schrift geschenkt worden.

Mit dem ersten Blatt Papier ist der Anfang gemacht und nur dieser Anfang ist schwer.

 

Als Kind überlegte ich, was unsterblich sei und fand: Gedanken sind unsterblich, auch wenn das Papier, auf dem ich sie niederlegte vergangen sein wird.

WJB

 

30. Oktober 2016

Meine Botschaft für die Kriegskinder wäre die folgende:

 

Ihr seid das Gewissen unserer Zeit, ihr tragt die Geschichte in euch und mit euch und haltet das Andenken an Kriege und Konflikte lebendig, um uns allen die Botschaft weiterzugeben, dass Menschen von diesen Konflikten in der allerpersönlichsten Weise betroffen werden. Daher ist es so wichtig, eure Geschichten mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen, eure Stimme soll gehört werden.

 

Danke für deine Unterstützung!

Liebe Grüße

 

Agatha Schwartz, PhD

 

 

25. August 2016

Aufruf zur Mitarbeit:

 

Wir sind ein Forscherteam von 4 kanadischen Akademikerinnen, und wir arbeiten an einem Projekt zum Thema sexuelle Gewalt im Krieg in Deutschland und in Bosnien und Herzegowina.

 

Wenn Sie oder jemand aus Ihrer Familie sexuelle Gewalt im Zweiten Weltkrieg erfahren haben und wenn Sie bereit sind, Ihre Geschichte im Rahmen unserer Projekts in einer sicheren und anonymen Umgebung mit uns zu teilen, würden wir für Ihre Rückmeldung und Teilnahme dankbar sein.

 

Für Ihre Teilnahme am Projekt bieten wir Ihnen 30 Euro an.

 

Bitte kontaktieren Sie: Prof. Agatha Schwartz, agathas@uottawa.ca oder per Telefon 1-613-562-5800, Durchwahl # 7635.

 

Die ethischen Aspekte dieses Projekts wurden vom Komitee für ethische Fragen an der Universität Ottawa sowohl an der Saint Mary's University in Kanada gutgeheißen.

 

Agatha Schwartz, PhD

Full Professor / Professeure titulaire

Graduate Director, MA World Literatures and Cultures (LCM)

Director, Central and Eastern European Studies Research Group (CEESRG)

 

University of Ottawa / Université d'Ottawa

70 Laurier E. (251)

Ottawa, ON

K1N 6N5

Tél. 613-562-5800 #7635

 

Mit Agatha Schwartz habe ich ein sehr beeindruckendes Gespräch geführt. Es wäre wunderbar, wenn sich betroffene Menschen bei ihr melden würden. Ich leite auch Anfragen weiter.

Winfried

 

 

16. Mai 2016

Ich habe mir gestern ein besonderes Erlebnis gegönnt. In einer nahegelegenen Dorfkirche trat eine Gruppe der Donkosaken auf.

 

Ja, das ist immer wieder schön und sehr bewegend, auch wenn es an die Qualität von Serge Jaroff oder die des Staatlichen Akademischen Chors Moskau leider nicht mehr heran kommt. Ich erinnere mich immer wieder gerne an die Auftritte der Don Kosaken im Berliner Sportpalast in den 60ern, wo meine Mutter stets mit mir hin ging. In der Pause sprach sie dann immer die Sänger an, weil sie Russisch konnte. Heute singe ich selber im 2. Bass in einem Männerchor und letztes Jahr durfte ich hier in Berlin auf der Fête de la musique sogar die Legende von den 12 Räubern als Solo auf Russisch singen. Aber hier und auch in Russland will die Jugend von dieser Musik heute nichts mehr wissen und hört lieber Popmusik. Selbst meine Nichte in Kaliningrad will sie nicht hören. Schade, aber das ist wohl der Lauf der Welt.

Allen die beste Grüße aus Berlin

Alexander

 

8. Mai 2016

Liebe Distelblüten,

erst einmal vielen Dank für Eure Mails zum heutigen Tag!

Mein Bruder erzählt, dass unser Vater jedes Jahr an diesem Tag seine Orden herausholte, auf dem Tisch ausbreitete und an den Krieg dachte, den er ganz bewusst als Befreiung vom Faschismus erlebt hatte. In seinem Herzen war er Pazifist. Nach dem Krieg wurde seine Familie wegen ihrer Deutschstämmigkeit fast ausgerottet, und sein Leben war von Angst beherrscht.

Ich fühle mich sehr wohl in unserer Gruppengemeinschaft unter der Überschrift Children born of war, Unterabteilung Russenkinder. Wir können wie alle geborenen Kinder nichts dafür und bringen weder Schande noch Auszeichnung mit für die Umstände der Geburt, das besorgt die Gesellschaft mit ihren materiellen, rechtlichen und ideologischen Bedingungen. In gewisser Weise haben wir uns davon emanzipiert und nehmen die Menschenrechte für uns in Anspruch. Mitgefühl, Verständnis füreinander sowie Respekt vor der Subjektivität und Verzicht auf schnelles Urteilen zeichnen unsere Treffen aus. Gute Basis für Brückenbauer.

Bei der Vorstellung ihrer ins Russische übersetzten Biographie hat Leonore Dupuis ein Tor aufgestoßen: die Menschenverachtung des Krieges, dass die herrschende Macht sich anmaßt zu definieren, wer Freund und wer Feind ist und die wirkliche Erfahrung des Einzelnen leugnet, wurde thematisiert. Es ging um Liebe und Verantwortung. Bei dieser Veranstaltung war kein Platz für die durch Gewalt entstandenen Kinder, das hätte an dem Tag nicht gepasst. Aber wer weiss, wie es noch weitergehen kann.

Ich hatte mich der österreichischen Gruppe angeschlossen, war herzlich aufgenommen, auch meine Freundin, die aus Interesse mitgekommen war. Der Herausgeber von Leonores Buch war da, die Übersetzerin, mein Bruder war mit dem Nachtzug aus Minsk gekommen. Die offizielle Besetzung des Podiums kennt Ihr aus dem Programm, es war recht feierlich. Renate aus Florida hatte Schals gehäkelt für die drei österreichischen Russenkinder in den russischen und österreichischen Nationalfarben, für mich entsprechend deutsch.

Es gab natürlich auch Tourismus pur. Moskau ist riesig, quirlig, überall wird gebaut, viel Altes renoviert oder vernichtet, auf jeden Fall war die Zeit zu kurz.

Ich wünsche Euch einen schönen sonnigen Tag, gute Gesundheit und Genesung

Herzlichst

Marianne

 

8. Mai 2016

Liebe Birgrit,

zuerst möchte ich Ihnen aufrichtig und sehr herzlich danken für alle Informationen, Texte,  Hintergründe .... die Sie mir geschenkt haben; vor allem aber für das Vertrauen. Neben den eigenen Vergegenwärtigungen der damaligen Zeit – mit vielem, was zu ihr gehörte – ist dieser Vertrauensbeweis für mich das Wichtigste.

Ich bin Jahrgang 1940 und habe eindrückliche Erinnerungen an das Kriegsende und die Jahre danach; allerdings keine, die mit Vergewaltigungen oder Ähnlichem zu tun haben; freilich solche, die von “Russen”, dem “Russe” oder dem “Iwan” handeln.

Für mich ist es gar keine Frage, dass es wichtig, befreiend, sinnvoll aber auch  schmerzlich ist, sich dieser privat-persönlichen und zugleich auch gesellschaftlichen Thematik zu stellen und sie zu reflektieren – in vielerlei Hinsicht.

Ganz zu schweigen von den oft katastrophalen Folgen für einzelne Menschen, sowohl aus dem “Volk” der Besiegten als auch der Sieger.

Deshalb möchte ich Ihnen auch zu diesem Buch gratulieren und Sie ermutigen, mit dem Kreis der Betroffenen weiter zu arbeiten und die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen an Erfahrungen und Erkenntnissen.

Die weite Thematik “der Feind”, das Fremde, Rache/ Vergeltung und in all dem “Beziehungen” - einschließlich aller emotionalen Zusammenhänge - hat sich ja keineswegs erledigt (was hat sich denn überhaupt je erledigt?), sondern neue Aktualität gewonnen, wenn auch mit anderen Akzenten.

 

Wir werden ganz sicher nicht zum letzten Mal uns in unserem literarischen Arbeiten und Nachdenken mit dieser Materie beschäftig haben.

Ich freue mich wie Sie auf unsere Zusammenarbeit und grüße Sie herzlich.

Ihr CL

 

18.April 2016

Uli schenkte mir das Buch von Sabine Bode - "Die vergessene Generation". Ich kannte es nicht und wir fallen aus dem Zeitraster schon heraus. Aber mit diesem Text kann ich ältere Geschwister und Freunde besser verstehen. Ein Buch, dass mir viel gegeben hat.

 

13. April 2016

Dear All,

Over the weekend, the 1st of April to the 3rd of April this year, the group of the German Russenkinder-Distelblüten (Russian Kids - Flowers of the Thistles) had their 3rd annual meeting in Leipzig, and I was able to attend the first time.

Out of 30 members 19 met on this weekend, with quite a lot of newcomers, like me.

Of course all of us are now about 70 years of age, due to the end of the 2nd World War and our active biological fathers being members of the Red Army at that time.

Some of us enjoy their life as a result of a rape, but there are quite a lot of us being born out of love affairs between Russian Army members and German women. For all of us it is true, that none of us had the opportunity to grow up together with our biological fathers. The Red Army did not tolerate relationships of their army members with German women - the enemy. Those soldiers having had a love affair, have been sent back home to the Soviet Union quite soon, after this case became public. No later communication (letters) were allowed at all, so the mothers and the babies in Germany did not know at all anything about the whereabouts of their Russian partners/fathers.

Offsprings of love affairs, as well as those kids, growing up as a result of a rape, for sure have different opinions about their fathers. Those kids born in love knew at least the name of their fathers, also some times a home address, an age and the army rank. Quite often as well there have been photos of him, sometimes together with the German mom and the baby. All of that is not known to those kids being the result of a rape.

So a few of our Russian Kids have been able to trace their fathers links and the members of the later families (step brothers and sisters), after the wall was broken and it was possible to use former Red Army registries.

For all of us it was very interesting to hear about the different cases and how all of them managed to grow up. For sure, a couple of tears could not be avoided by either speaking about the past, or listening about the so different stories. For sure we all felt like meeting now with sisters and brothers and we will try to stay in communication with each other in the future. Hopefully we can meet again in good health next year for the next annual meeting to come.

Thanks to our friends who organized and prepared this meeting, but also to all, who did not mind driving quite a bit to join in and make this meeting a success.

With best regards!

Uli

 

 

12. April 2016

Liebe Distelblütenschwestern und Distelblütenbrüder,

nun bin ich auch wieder von meiner Rundreise zurück gekommen, die mit Euch allen vor über einer Woche in Leipzig begann.

Habt herzlichen Dank für die gute Vorbereitung und Begleitung des für Euch dritten Treffens in Leipzig, das für mich das erste Treffen mit Euch war.

- Es war schön Euch Distelblütenschwestern und -brüder diesmal in Leipzig persönlich kennen zu lernen.

- Es war schön, für mich zugleich bewegend, einen Teil Eurer Lebensgeschichte zu hören, mit dem wir alle in einer besonderen Form verbunden sind, beginnend mit der Erzeugung durch unsere biologischen Väter.

- Es war schön Euch zuzuhören, wenn auch manchmal mit einer Träne dabei, Euch in die Augen sehen zu können, Euch jedoch auch in die Arme zu nehmen, denn wir haben etwas ganz Besonderes an und in uns, wir sind Distelblüten!

- Es war schön mit Euch in Leipzig dabei sein zu dürfen an diesem so in einer besonderen Art von Familientreffen, auch wenn es ca. 70 Jahre gedauert hat, so zusammen zu kommen.

- Es war schön, lass uns den Kontakt halten und wenn möglich alle zusammen im kommenden Jahr wieder gesund irgend wo treffen. Wir haben das verdient als Mitglieder dieser Großfamilie.

Ich nehme Euch alle aus der Entfernung in die Arme, grüße Euch herzlich und wünsche Euch alles Gute!

Euer neuer Distelblütenbruder

Uli

 

5. April 2016

Unser " Distelblüten-Russenkinder-Treffen" in Leipzig (1.-3. April 2016) war ein voller Erfolg. Das Wiedersehen mit den schon "Bekannten" und das Kennenlernen der vielen "Unbekannten" war für mich ein wunderbares Geschenk - ein sehr herzliches DANKESCHÖN EUCH ALLEN. Ihr habt mir zugehört!

Renate

 

 

22. Januar 2016

Wen soll ich und wie soll ich wen anreden, der oder die von diesem Schicksal betroffen sind? Und wo soll ich anfangen, meine Gedanken darüber auszubreiten, obwohl ich nicht davon betroffen bin? Ich erzähle einfach einmal von einem Telefonat mit Gunter, einem Schulfreund aus Ostritz von mir und einem Betroffenen aus dem Buch "Distelblüten". Irgendwie sind wir auf das Thema "Besatzungskinder" gekommen, da der Vater meiner Kinder ein Besatzungskind ist, allerdings das eines amerikanischen Soldaten. Da ich schon seit meiner Kindheit weiß, dass der Vater von Gunter ein Russe ist, hatten wir natürlich gleich dieses Thema. Er gab mir den Tipp mit der Geo 5/15, welche ich natürlich sofort bestellte und die Artikel von allen davon Betroffenen interessierten mich sehr. Ich bin seitdem immer wieder im intensiven telefonischen Kontakt mit Gunter und bekam auch das Buch zugesandt.

Das Buch "Distelblüten" hat mich so gefesselt und beeindruckt; ich musste es immer wieder und wieder beiseite legen und erst einmal verarbeiten. Da sind Frauen vergewaltigt worden und das Kind war trotzdem willkommen. Da war andererseits Liebe vorhanden und das Kind ein Leben lang beiseite geschoben worden. So viele verschiedene Menschen haben ihr Schicksal erzählt, welches mich sehr berührt und erschüttert hat. Jetzt ist die Lebensgeschichte von Gunter so richtig bei mir angekommen. Da alle Erzählungen authentisch sind, fühlt man natürlich auch ganz anders und auch die Gedanken sind anders. Ganz besonders gefällt mir die Schreibweise der einzelnen Erzählungen, mal ganz einfach, dann wieder sehr gewählt ausgedrückt. Nun kann ich an jedes Kapitel auch ganz anders und ruhiger herangehen und muss auch nicht alles hintereinander lesen.

Jedenfalls hat das Thema "Russenkinder" durch das Lesen des Buches bei mir einen ganz besonderen Platz im Herzen eingenommen, weil man es in dieser Form noch nie erwähnt hat. Meine Mutter hätte bei der Lesung in Ostritz auch noch viel zu Gunters Vater beitragen können, aber leider ist sie schon verstorben. Sie hat mir erzählt, dass sein Vater ein hübscher Mann gewesen, es auch Liebe gewesen sei und er ein Georgier und nicht - wie im Buch von Gunter geschrieben- ein Russe sei. Das ist schade, dass Gunter über seinen Vater vielleicht nie etwas erfährt.

Da ich in unserer Begegnungsstätte viel mit noch älteren Leuten zu tun habe, die den Krieg erlebt haben und vertrieben worden sind, kommt jetzt ein noch interessanteres Thema hinzu - nämlich "Russenkinder". Mal sehen, wie die Meinungen zu Russen auseinander gehen bzw. die Stimmung nach dem Vorlesen vieler Passagen und Beiträge aus dem Buch.

Ich bedanke mich bei allen "Russenkindern" für ihre Offenheit und den Umgang mit ihrem Schicksal.

Heute Abend werde ich im SWR nach 22.00 Uhr im "Nachtcafé" die Diskussion mit Herrn Winfried Behlau ansehen. Das war auch wieder ein guter Tipp von Gunter! Ich bin interessiert!

RH

 

 

8. Januar 2016

Ich erhielt zu Weihnachten von meinem jüngsten Sohn das Buch SECONDHAND-ZEIT - LEBEN AUF DEN TRÜMMERN DES SOZIALISMUS, SURKAMP-VERLG, geschrieben von Swetlana Alexijewitsch, die 2015 den Nobelpreis für Literatur erhielt, was mich sehr interessiert und beeindruckt hat. Die Autorin erhielt dafür ebenso 1998 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und 2013 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Die Vorstellung dieses Buches lautet: “Geboren in der UdSSR - das ist eine Diagnose.” Wer das Russland von heute verstehen will, muss dieses Buch lesen. Swetlana Alexijewitsch formt aus den erschütternden Erfahrungen von Menschen die zwischen Neuanfang und Nostalgie schwanken, den Lebensroman einer noch nicht vergangenen Epoche.”

 

In diesem sehr lesenswerten Buch wird u.a. auf Seite 235 von einem Soldaten der Roten Armee im 2. Weltkrieg berichtet, der folgende Aussage macht: “Es gab keine Deutsche zwischen zehn und achtzig, die wir nicht gefickt hätten! Alle, die dort 1946 geboren wurden, sind “russisches Volk.”

“Der Krieg rechtfertigt alles … ja, das hat er …”

(Ich hatte Glück, kam nicht in ein sowjetisches Kinderheim, ich gelangte 1957 durch die Flucht aus der SBZ/DDR mit meiner Mutter in die BRD.)

Dieser Satz oben ist sehr klar und deckt sich inhaltlich in etwa mit meiner eigenen Aussage zu meinem Geburtstag: “Es wäre interessant mal in den standesamtlichen Einträgen nachzuforschen, wie viele Kinder in dem damaligen Sowjetischen Besatzungsgebiet von 1945 dann 1946 geboren wurden?!” Das bezieht sich neben Vergewaltigungsopfern, so wie wir, auch auf “Beziehungsresultate” von deutschen Frauen mit Angehörigen der Roten Armee.

 

Vor diesem Buch hatte ich DAS STALIN EPIGRAM von Robert Littell gelesen, Fischer Taschenbuch Verlag, das so vorgestellt wird: “Russland in dunkelster Zeit - und ein Dichter bietet Stalin die Stirn - Moskau 1934: Millionen von Bauern verhungern, während Stalins Schergen die Städte durchkämmen und willkürlich Regimegegner verhaften. Auch der berühmte und angesehene Dichter Ossip Mandelstam ist in Ungnade gefallen. Dennoch beginnt er mit der Niederschrift eines großen Gedichtes, mit dem er das Volk aufrütteln will: das Stalin-Epigramm. Seine Frau Nadeschda und seine junge Geliebte, die betörend schöne Schauspielerin Zinaida, bangen um sein Leben. Denn jeder einzelne der sechzehn Verse kann für ihn den Tod bedeuten. “Ein erschütterndes, ein spannendes Buch.” NDR

 

Auch dieses Buch ist lesenswert und beschreibt die Zustände in der damaligen UdSSR vor dem 2. Weltkrieg, also in der STALIN-ZEIT, die dann zum in der Sowjetunion zum sogenannten Großen Vaterländischen Krieg mit dem Deutschen Reich führte.

 

Nur zur Info, mein erst kürzlich verstorbener Schwiegervater geriet als jugendlicher Flakhelfer in Breslau in sowjetische Kriegsgefangenschaft, der danach in ein Gulag in Sibirien unter Tage geschickt wurde, dies überlebte und durch Adenauers Vermittlung es schaffte in die Bundesrepublik zurück zu kommen.

 

Noch leben einige wenige Zeitzeugen dieser Generation, so wie Deine Mutter, und meine nun in diesem Frühjahr bald 92-jährige Patentante, die ich Ende des Monats wieder im Fischland an der Ostsee besuchen möchte. U.B.