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Geschrieben vor 30 Jahren von Margitta

24. August 2019 (in Auszügen von Eleonore aus Österreich) zur erfolgreichen Vatersuche


Ja, der Erfolg ist für uns einzigartig und erstmalig. Von einem russischen Archiv eine positive Antwort, bei uns in Österreich ist es das 1. Mal.

Negative Antworten vom Zentralarchiv und auch von anderen Archiven haben wir zur Genüge erhalten. Sie füllen ganze Ordner. Aber noch nie konkrete Angaben zu einer Person. Trotzdem fängt die Suche erst an, denn nun müssen wir bei zwei von den Dreien erst den Wohnort herausfinden und dann, ob es Nachkommen oder Verwandte gibt.

Sehr geholfen hat uns unsere damalige Außenministerin Karin Kneissl, die mit Lavrov gesprochen hat. In Folge bekam ich einen Brief, wo die Unterstützung Lavrovs drinnen steht. Auch wenn er das sicher schon total vergessen hat, dieser Brief hat die Türen geöffnet.

Dass man trotzdem unendliche Geduld haben muss, zeigt die lange Dauer von meiner ersten Intervention bei unserer Regierung bis zum Resultat: 1 ½ Jahre! Viel Verzögerung hat leider die russische Botschaft in Wien verursacht. Denn wie ich erst Anfang August erfahren habe, lag die Antwort vom Zentralarchiv schon seit Ende April bei der Botschaft in Wien!

Gerne könnt Ihr den link auf Eurer Seite veröffentlichen. Es sollen nur alle wissen! Christian Mader befürwortet das auch. 

Ich wünsche Euch ebenso Erfolg. Man darf nie nachlassen. Bei uns interessieren sich jetzt schon sogar URENKEL für ihren russischen Urgroßvater!

Liebe Grüße

Eleonore



9. Mai 2019

Liebe Distelblüten-Schwestern und -Brüder,
ich habe gerade einen Auszug in den Nachrichten von der Militärparade in Moskau zum Tag der Befreiung/Unterzeichnung der Kapitulation gesehen und bin dann zu den beiden hiesigen Friedhöfen gefahren. Am Gedenkkreuz für die Opfer des 2. Weltkrieges und dem Gedenkstein für die ausländischen Opfer der Naziherrschaft habe ich je eine Kerze der Erinnerung aufgestellt.
Für viele von uns ist dieser Zeitbereich um und ab Mai 1945, also nun bereits vor 74 Jahren, der Beginn unseres Lebens und späterer Geburt.
Dies an euch alle zur Erinnerung an unsere Mütter, Erzeuger und Väter, die nicht mehr unter uns sind.  
Euer
Uli


24. März 2019


Feierliche Veranstaltung in Graz


Am 22. März 2019 fuhren wir zur Antrittsvorlesung von Barbara Stelzl-Marx nach Graz.


Es war eine wunderschöne, feierliche Veranstaltung! Viele Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Forschung und Politik waren zu diesem Anlass nach Graz gekommen, auch zahlreiche Gäste aus dem Ausland und sogar aus Russland.


Wir vier Russenkinder mit den Schals waren leicht zu entdecken, auch Vera kam noch hinzu, alle wurden wir namentlich von Barbara begrüßt. In ihrem Vortrag „Kriegskinder“ war zuerst allgemein von Kindern des Krieges die Rede, dann mehr spezifisch von Besatzungskindern nach dem 2. Weltkrieg in Europa und schließlich im Besonderen von Nachkommen der vier alliierten Mächte in Österreich und von den Kindern sowjetischer Soldaten.  Schade, dass von den anderen Nationen niemand im Saal war. Barbara hat auch Roman Pulpitel und Helmut Köglberger erwähnt, die beide voriges Jahr verstorben sind. Und sogar aus unseren Interviews und aus meinem Buch zitiert. Es war ein sehr lebendiges, leicht verständliches Referat, wie immer ausgezeichnet, flüssig und interessant vorgetragen!


Vorher gab es einen sehr guten Einblick in die Tätigkeiten des Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung durch Interviews von Barbara mit den Mitarbeitern.


Erwähnenswert ist auch der Vortrag von Mark Kramer von der Harvard University über das Jahr 1989. Trotz seines Boston Accents war er (zumindest für diejenigen, die Englisch können) leicht zu verstehen. Mit seinem Humor und der faszinierenden Art, wie er jedes Thema interessant und spannend bringt, ist es eine Freude, ihm zuzuhören. 


Wir konnten auch die neuen Räumlichkeiten des Boltzmann Instituts in Graz besichtigen, sie sind nun unweit von der Universität und bieten viel mehr Platz im Büro.


Später, beim Büffet, haben uns dann einige gefragt, wer die Idee mit den Schals hatte und wer sie gemacht hat. Da haben wir von Renate Brown erzählt. Durch die Schals sind wir mit ihr in Florida verbunden.


Eleonore Dupuis                                                                                                 24.3.2019   



16. Januar 2019

Es ist einfach nur schrecklich, was da aufgrund von Haß auf Menschen entstehen kann. Haß und Verachtung gegenüber den "slawischen Untermenschen", den "gottlosen Bolschewisten" - und umgekehrt dann von jenen gehaßten die furchtbare Rache an den Frauen.

Aber manchmal erscheint das so, als ob die Vergewaltigung weniger schlimm gewesen wäre, wenn nicht der Vater des dabei entstandenen Kindes "ein Russe" gewesen wäre....


Wir haben einen Nachbarn - A., ist mit seiner Familie vor 31 Jahren aus Budapest hierhergezogen. Vor ungefähr zwei Jahren kam ich mit ihm ins Gespräch über den Krieg.......über die Rote Armee etc.

Er erzählte, dass seine damals 25jährige Tante in Budapest vergewaltigt worden wäre - von einem Rotarmisten. Ihr Mann sei dann mit ihr am nächsten Tag in die Kommandantur gegangen - sie hätten Anzeige erstattet. (In Begleitung eines Ehemannes hat man da wohl mehr Mut!) Der Kommandant hätte sie gefragt, ob sie sich noch erinnern könnte, wie der Mann ausgesehen hätte - sie wußte es, konnte sein markantes Gesicht beschreiben - ausserdem hätte er an einer Hand zwei krumme Finger gehabt......

Der Kommandant hätte sie aufgefordert am nächsten Tag wieder zu kommen. Am nächsten Tag hätte der Kommandant die ganze Truppe aufstellen lassen. Und die Tante wäre die Reihe abgeschritten.....bis sie den Schuldigen gesehen hätte. "Ja, das ist er." Der Kommandant hätte sie noch gefragt, ob sie sicher sei....sie hätte die "Merkmale" wiederholt, ja sie war sich sicher. Der Kommandant hätte seine Pistole rausgezogen, und diesen Rotarmisten vor allen anderen standrechtlich erschossen.....

Man kann öfters nachlesen, dass die Kommandanturen solche Aufrufe machten, dass geschädigte Frauen sich melden sollten - aber wer hat nach einer Gewalttat schon den Mut dazu? Die meisten haben sich wohl furchtbar geschämt: Opfer-Täter Umkehr!

Weiterhin alles Gute!

liebe Grüße,

M




15. Januar 2019

Die Geschichte von Demmin hat mich sehr bewegt und ich halte die Kleinstadt an der Peene für eine liebenswürdige Stadt. Allerdings ist dort heute nicht alles Gold, was glänzt, wenn man sich das Treiben in und um die Schulen herum anschaut. Liegt dies daran, dass die vorigen Generationen die Hoffnung auf ein gutes Leben begraben haben?

F - eine Einwohnerin aus Demmin


12. Januar 2019

Opernfreunde werden Rita Streich kennen, ein berühmtes Russenkind aus dem 1. Weltkrieg, deren Mutter Russin war. Rita Streich wurde weltberühmt als Koloratursopran. Eine der besten überhaupt. Ihr Vater war als Deutscher Soldat in Russland und lernte dort ihre russische Mutter kennen. Rita wurde in Russland, ich glaube in Sibirien, geboren und kam später mit ihren Eltern nach Deutschland. Sie starb jung an einem Gehirntumor. Leider kann man sehr wenig Information über sie auf dem internet finden.

Sie war ein Kriegskind, auf das Deutschland (und Russland) stolz sein kann.

Viele Grüße von Ursula, USA


8. Januar 2019

Bei den Distelblüten hat sich seit der Buchherausgabe sicher wieder viel getan....Jürgen oder Anton dessen Schicksal besonders tief berührt.... Von sieben Männern vergewaltigt werden!


Es ist sicher unverdientes Glück(?), dass meine Großmutter keine schlechten Erlebnisse mit den Sowjetsoldaten hatte. Sie hatte öfters erzählt, dass ein Russe, vor dem Haus im Gras gelegen ist, und mit dem knapp zwei jährigen Rudolf (der jüngste) gespielt hat und dieser Russe hätte gesagt, "...dass er auch so einen kleinen Sohn daheim hat und er hoffe, dass er ihn bald wieder sehen werde....." Meine Mutter war fünf und der ältere Bruder acht Jahre alt.


Ganz eigenartig war, als mein Onkel Rudolf 2014 verstarb (er lebte schon 50 Jahre in Vorarlberg, ich lebe in der Steiermark), fiel mir sofort jener russische Soldat wieder ein, und dessen kleiner Sohn, und ich fragte mich ob dieser Sohn, der damals zu Kriegsende so alt war wie mein Onkel, ob jener noch lebt oder schon gestorben ist.... Ganz eigenartig.....


Mein Großvater (mütterlicherseits, der andere war schon tot) war kein Widerstandskämpfer, aber er hatte sich den rechten Zeigefinger abgehackt, weil er Hitler und die Nazis hasste und nicht auf jemand schiessen wollte, der ihm nichts getan hatte. Anfangs hatte er Erfolg, aber später mußte er doch in die Wehrmacht, war in Finnland. All das erfuhr ich erst als Erwachsene - als Kind war das für mich normal, dass mein Großvater an der rechten Hand keinen Zeigefinger hatte. Ich hatte mir vorgestellt, dass er einen Unfall mit einer Arbeitsmaschine hatte.


Sonntags Nachmittags, ich ging noch nicht in die Schule, bin ich öfters zu Großvaters Haus entwischt. Meine Mutter wollte nicht, dass ich dort hinlaufe, weil sich dort immer alte Männer mit dem Großvater trafen, zum Karten spielen. Die haben immer vom Krieg geredet. Wahrscheinlich dachten sie, die Kleine da, bekommt nichts mit, versteht nichts..... Ich saß da meistens am Boden, bekam irgendwas zum Anschauen, aber ich hab da doch immer hingehört...und zwischen "Pik, Ass, König, Trumpf etc." sprachen sie über einen Mann, der noch immer stolz darauf sei, dass er schwangeren, russischen Frauen den Bauch aufgeschlitzt hätte, dass er russische Babys bei den Füßen packte und auseinandergerissen hätte..." Für mich war das so schrecklich, diese ganze Vorstellung davon. Ich hatte solche Angst und erzählte meinen Eltern davon nichts, vor lauter Angst. Jener Mann im Nachbarort war sehr angesehen. Alkoholerzeugung, Likeurerzeugunge etc. Belieferte und exportierte seine Produkte überall hin....

Wenn wir in die Bezirkshauptstadt fuhren, führte die Straße bei dessen Haus und Fabrik vorbei. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich als Kind stocksteif auf dem Rücksitz im Auto saß und ängstlich aus dem Fenster schaute: Hoffentlich steht der Mann nicht vor dem Haus, der schwangeren russischen Frauen den Bauch aufgeschlitzt hatte und Babys auseinandergerissen hatte!


Erst letztes Jahr hab ich erfahren, dass es in jenem Ort noch alte Menschen gibt, die jenen SS-Mann (jetzt weiß ich, dass er bei der SS war), und seine Greuelgeschichten kannten. Der hat ganz offen darüber gesprochen, sogar bis zu seinem Tod geprahlt. Hatte nicht nur keine Konsequenzen zu befürchten, sondern genoß soziales Kapital bei den Eliten des Bezirkes und darüber hinaus.


Über meinen Mann, das heißt eigentlich über einen seiner Uni-Lehrer (Prof. Werner Suppanz, Uni Graz) wurde ich auf ein Buch aufmerksam:

Eroberungen, Sexuelle Gewalttaten und intime Beziehungen deutscher Soldaten in der Sowjetunion 1941 - 1945. Von Mühlhäuser Regina (Hamburger Edition).

Ich hatte es zuerst ausgeborgt von der Uni-Bibliothek, aber dann gekauft, weil es sehr lesenswert ist. Es ist die Buchform von Mühlhäusers Dissertation.


Jedenfalls, es ist ein schreckliches Thema, geschieht aktuell in Afghanistan, Irak, Syrien, Lybien, Ukraine, Nigeria...etc. etc. Warum lernen wir nicht aus der Geschichte. Was nützt die Schulbildung, die Universitätsbildung. Oft sind es doch die Eliten, die Vorurteile gegenüber anderen erzeugen, die Hass schüren....


Ich habe jetzt viel zu viel und zu lange geschrieben, wollte Ihnen nur Danke sagen für Ihre Arbeit - ob mit den Distelblüten oder ihre Kulturarbeit, und ein gutes Neues Jahr 2019 wünschen!!



Herzliche Grüße,

Maria



24. Dezember 2018

Liebe Distelblüten, ich möchte mich bei euch für die vielen lieben Wünsche und Grüsse herzlich bedanken.

                           Besonders in der Weihnachtszeit besinnen sich die Menschen auf Traditionen und das Weltgeschehen

                           ist plötzlich so nah, es ergreift durch Worte und Bilder unser Denken und Handeln. Wir dürfen in Frieden

                           leben, haben ein Daheim, müssen nicht frieren, leiden weder Hunger noch Durst.

                           Für so viel Glück empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit.

                           

                           Ich wünsche euch frohe, friedliche Feiertage und

                         

                           "das ihr sacht berührt werdet vom ganz besonderen Zauber dieser Zeit,

                           der allen gilt, auch denen die weinen, wachen oder wandern auf dieser Welt."

                                                                                     (Friedrich von Bodelschwingh)

 

                            Renate aus Saalfeld



9. Dezember 2018

 Schweigen


Ihr habt das Schweigen nicht gesehn

Hinter den Hügelsenken.

In diesem Schweigen muss man stehn.

(Nur stehn. Und nicht denken.)

Wenn ich lang genug warten kann

In Kälte und in Schnee,

Höre ich da vom Wind ein Wort.

Das ich vielleicht versteh.

Danach wird alles anders sein.

Mein Wort wird davon schwer.

Wird eine Spur im Neuschnee sein

Und kommt vom Schweigen her.


Dieses Gedicht von Eva Strittmatter spricht aus meinem Herzen.


09.12.2017 in Moskau - 09.12.2018 in Saalfeld


Der alte Baum hat plötzlich Wurzeln gen Osten,

steht gerade nicht mehr schief,

fühlt sich stark,

umgeben von Wärme.

Wird umarmt, darf umarmen.

Ist angekommen, fühlt sich angenommen.

Telefoniert und schreibt.

Kein Wort , kein Satz.

Schweigen aus dem fernen Altai.


Dieses Schweigen macht mich traurig, als Unglück empfinde ich es nicht.


Ich habe zwei Brüder,

ich weiss wo sie leben,

ich habe sie gesehen,

ich habe sie berührt,

ich bin unendlich dankbar dafür.


Ich wünsche mir die Kraft eines Gänseblümchens!


Ich will am Grab meines/unseres Vaters stehn.

Ich möchte den Rest der alten Kate sehn,

in der sein Leben begann.


Liebe Distelblüten-Russenkinder


Danke für die vielen schönen, lustigen, interessanten, aufregenden,

wärmenden und herzlichen Stunden mit und durch euch.


Ich wünsche euch von ganzem Herzen eine gute

Adventzeit und grüsse Alle.


      Renate aus Saalfeld.




3. Dezember 2018

Wünsche allen Distelblüten eine friedvolle Vorweihnachtszeit , liebe Grüsse aus Bochum

Margitta



15. November 2018

Liebe Distelblueten,

ich moechte mich hiermit ganz herzlich auch im Namen meines Mannnes Harold bedanken fuer eure grosszuegige Spenden, es kam gerade zum richtigen zeitpunkt denn ich hatte schon viele unerwartete ausgaben und es kommen immer noch neue auf mich zu, also nochmals meinen allerherzlichsten dank an euch alle.

Renate Brown



8. November 2018

Lieber Winfried,

das geld ist auf dem konto, ich bin immer noch ganz sprachlos ueber eure unterstuetzung,

hiermit moechte ich mich ganz herzlich auch im namen von Harold bei dir und allen Distlenblueten Schwestern und Bruedern bedanken fuer die Spende, es tut mir soooo gut zu wissen das ihr mich nicht vergessen habt und an mich gedacht habt und ich mich nicht so alleine und vergessen fuehle, ihr habt mehr fuer mich getan als meine eigene familie.


Ich kann nur immer wieder sagen das die zerstoerung so gewaltig ist, dass man es nicht beschreiben kann, man ist einfach nur sprachlos und findet keine worte, man kann stundenlang mit dem auto fahren und sieht nur das gleiche, ich kann mir nun gar nicht vorstellen wie das alles wieder aufgebaut werden soll, wenn ja, wird es jahre dauern, vor allen dingen ist ja auch der gesamte baumbestand dahin, millionnen von baeumen, und panama city ist auch wie platt gewalzt von super panzern, und meine airbase sowieso, es gibt wieder strom, aber immer wieder stromausfall bei mir, gestern dreimal, in der nacht war die letzte reparatur, ich kann immer noch nicht klar denken, weist du wenn man nur zerstoerung vor augen hat das ist schlimm, jetzt kann ich mir auch vorstellen wie unsere eltern gefuehlt haben nach kriegsende 1945.

so mein lieber winfried, nochmals vielen dank an alle spender,

ganz liebe gruesse von renate



29. Oktober 2018

Lieber winfried, ich bin immer noch so aufgeregt das ihr mich unterstuetzen wollt, blountstown hat auch viel schaden abbekommen, aber noch viel schlimmer ist es ausserhalb da wo wir und viele andere wohnen, abseits und im wald, uns hat man vergessen, die strassen sind zwar geraeumt und alles ist in den strassengraben geschoben, aber sonst passiert nix, kein wasser und kein strom, keine e-werk crew in sicht, habe im tv gesehen das 28% strom wieder geht und das 14 tage nach dem hurrikan, eine schande ist das, alle reden nur von Panama city den ganzen tag, als ob die nur alleine betroffen sind, wollte fragen ob du vielleicht einen journalisten kennst der sich fuer dieses thema interessieren koennte, dann wuerde man auch in deutschland wissen was hier anlaeuft, ein glueck kann ich bei meiner freundin eine zeit lang bleiben, kann duschen und waesche waschen, bei uns zuhause ist draussen immer noch ein truemmerfeld, und ich habe immer noch keine ahnung wie es weitergeht, man kann nur immer bis morgen planen, LG von Renate



12. Oktober 2018

Liebe Distelblüten

wir haben eine biblische Katastrophe hier, es ist der Wahnsinn, Panamma City und viele hundert Meilen im circle ist dem Erdboden gleichgemacht, ihr könntt ja alles andere im TV sehen, die Einwohner von Panama city werden angehalten nicht zurück zu kommen weil es nix mehr gibt, kein Essen, kein Wasser, keine Geschaefte, die Häuser zerstört, keine Telefonverbindung, ich habe heute morgen auf youtube ein video gefunden - könnt selber mal schauen - blountstown after hurrican michael. Ich habe immer noch keine Nachricht von Harold, ich checke jetzt aus im Hotel und fahre in die Katastrophe, ich werde dann sehen wie es bei uns aussieht und wenn es sein muss wieder ins Hotel gehen, ich weiss nicht wie lange es dauern wird mit den Aufräumungsarbeiten usw. und die vieleh hundertausende von Menschen die vor dem Nichts stehen, und wie uns von der Regierung geholfen wird, jetzt bin ich in der gleichen Situation wie meine Mutter 1945

Liebe Grüße von Renate, Florida





27. September 2018

Ich habe über das Leben in Meck-Pomm. und natürlich auch über die massenhaften Suizide im Kreis Demmin gelesen - unvorstellbar.

(1945 " Zwischen Krieg und Frieden" Erinnerungen aus Mecklenburg-Vorpommern und der alten Heimat).

Der Geburtsort meines Vaters liegt ja im Kreis Demmin, Gott sei Dank gab es in unserer Familie keinen Suizid. Allerdings habe ich im Rahmen meiner Recherchen erfahren, dass im Grab meines Opas (gestorben 1945) einige Jagdwaffen unter dem Sarg liegen sollen. Mein Opa war Jagdpächter. Die Familie hatte panische  Angst vor Repressalien, wenn man Waffen finden würde.

Es freut mich zu lesen, dass eure Lesung gut besucht war, vielleicht stehen die jüngeren Leute den Themen der Vergangenheit aufgeschlossener gegenüber.

Bei meinen wirklich sehr netten Verwandten mache ich immer wieder die Erfahrung, dass sie sich mit der Vergangenheit nicht auseinander setzen wollen - oder aus Unwissenheit nicht können? Es interessiert auch nicht. Die Russen waren ja immer die Guten, so wurde es ihnen eingebleut.

Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass Soldaten der westlichen Alliierten  - Amerikaner, Briten, Franzosen -  genauso viel Schuld auf sich geladen haben.

Ich lese gerade das Buch von Miriam Gebhardt "Als die Soldaten kamen" - mit Unterbrechungen, da es so brutal ist. Es handelt von den Vergewaltigungen deutscher Frauen am Ende des zweiten Weltkrieges.

Ich habe ja erzählt, dass meine Mutter mit einem Trick so einer Vergewaltigung entgangen ist.

Sonst hätte ich eventuell auch ein Russenkind als Geschwister.

Es ist gut für euch, dass ihr in der Lage seid offen über die Herkunft zu sprechen.

Liebe Grüße,

Margit



26. September 2018

Hallo Russenkinder,

am letzten Donnerstag konnte ich beim Vortrag in Demmin zuhören. Danke, es brachte mich dazu anders nachzudenken. Vermutlich werden mir Winfrieds und Birgrits Reaktion auf meine Denkansätze helfen eigene Familiengeheimnisse zu klären. Die hatte ich bisher woanders vermutet.

Danke, und weiterhin viel Erfolg bei eurem Tun.

Liebe Grüße

Wolf.


11. Juli 2018

Dear Winfried,

Thank you for sending me your book. It was wonderful to hear you speak and I want to thank you for sharing your life story and what you have endured and overcome. It was such a pleasure to meet you and I'm very much looking forward to reading your book.

Very best wishes,

Z. Tel Aviv



14. Mai 2018

Liebe Russenkinder und Freunde,

zur Feier des 9. Mai sind einige von uns auf Einladung des Бессмертный полк (Unsterbliches Regiment) nach Moskau geflogen.

Die herrliche Moskaureise war schnell vorüber, dafür umso eindrucksvoller. Jedenfalls war es für uns fünf ein wunderbares, großartiges, beeindruckendes Erlebnis.


Wir sind wie Ehrengäste empfangen worden. Der Marsch war natürlich das größte Erlebnis, ein Höhepunkt, wie viele sagten. Drei von uns konnten mit einem Bild ihres gefundenen Vaters marschieren, zwei trugen eine Tafel, dass wir noch suchen. Für Monika kam ein Teil der russischen Familie mit: samt Nichten und Neffen waren es insgesamt 6 Personen. Zu Tatjana gesellte sich ihre Schwester Larisa aus Smolensk. Alles in allem waren wir ein schönes Grüppchen. Das Schwierigste war, einander nicht zu verlieren! Wir – Teil einer Menge von mehr als 1 Million Menschen, die die Twerskaja zum Roten Platz hinuntermarschierten. Sie alle wollen ihre Angehörigen, die für die Freiheit gekämpft haben, nicht vergessen lassen. Unbeschreiblich, überwältigend! Als dann der Zug am Roten Platz an der Tribüne mit den letzten verbliebenen Veteranen vorbeimarschierte, riefen alle „Спасибо“!


Man kann die Gefühle in Worten kaum ausdrücken. Für uns hat es noch eine andere, symbolische Bedeutung: eine Art Anerkennung als Befreiungskinder, als Kinder der damaligen sowjetischen Soldaten. Der Organisation des Бeссмертный полк samt den Sponsoren und Russland selbst sind wir dafür dankbar.  Nun bräuchten wir nur noch Hilfe von offizieller Seite, unsere Väter zu identifizieren.

Zum Schluss noch ein link zum Interview von Tatjana und mir auf Russia Today:


https://www.youtube.com/watch?v=Kzsf4FgFNJY


und eine kleine Auswahl aus meinen Fotos:


https://photos.app.goo.gl/P2uh9Cx4Zq7xFmZ52


Liebe Grüße

Eleonore



13. Mai 2018

Ich will  heute von meinem Vortrag in USA  berichten.

Gestern also hielt ich meinen Vortrag in unserem community center. Sponsor war unsere Buecherei.


Es waren viele Leute dort, die interessiert zugehoert haben. Nach meinem Vortrag hatten wir noch eine halbe Stunde fuer Fragen. Viele Leute sind danach dageblieben und haben mich persoenlich angesprochen. Es war ein voller Erfolg. Ein pensionierter Offizier fragte mich, ob ich auf dem Luftwaffenstuetzpunkt meinen Vortrag wiederholen wuerde. Auch fragte mich die Bibliothekarin, die alles arrangiert hatte, ob ich meinen Vortrag noch an anderen Stellen wiederholen wuerde. Natuerlich wuerde ich das alles machen.


Ich hatte flyer mit Kontaktinformation und die waren fast alle vergriffen. Ausserdem habe ich mich zur Verfuegung gestellt falls jemand Schwierigkeiten hat, Kontakt aufzunehmen mit Euch oder den Universitaeten.


Ich fand auch heraus, dass in einer unserer Buecherein zwei Russinnen Bibliothekarinnen sind. Wenn sie dazu bereit sind, werde ich mit ihnen sprechen. Also werden wir sehen, wo das eventuell hinfuehrt.


Ich sprach gestern auch mit einer 82 jaehrigen Frau, die in Berlin aufgewachsen ist. Sie sagte, dass sie erst jetzt, in ihrem Alter, ueber die schlimmen Sachen erzaehlen kann, die ihr und ihrer Familie wiederfahren sind.

liebe Gruesse von

Ursula




11.Mai 2018


März 2018

Meine Reise nach Ottawa – Kanada zwecks Teilnahme an der Universität Ottawa – in Ottawa - zu dem Workshop Gewalt an Frauen


(Die komplette Info dazu gibt es auf unserer Distelblueten Website, daher gehe ich ich nicht in das Detail)


Ich habe mir lange überlegt, ob ich diese Reise nach Ottawa antreten sollte oder nicht, weil ich grundsätzlich nur fliege, wenn es keine andere Möglichkeit gibt und daher mit dem Greyhoundbus reise und das ist immer sehr aufregend, da der Bus nie pünktlich am Ziel ankommt weil es zu Dauerverspätungen kommt. Aber der Trip nach Ottawa war die einzige Moeglichkeit Winfried und seine Frau endlich persönlich kennenzulernen und als ich mich endlich entschlossen hatte, konnte mich nichts mehr halten.


Die Reise ging los in Tallahassee – der Hauptstadt von Florida, ich wohne ca. 60 Meilen entfernt. Es war wie immer eine interessante Reise, vor allen Dingen an der Grenze nach Kanada (Detroit), wo der Einwanderungsbeamte mich anbrüllte was ich in Kanada will, ich zeigte ihm den Prospekt von der Uni Ottawa und dann wünschte er mir genauso brüllend einen schönen Aufenthalt. Nun war ich endlich in Kanada und kam dann mit Verspätung in Ottawa an, ich nahm ein Taxi zum Bed and Breakfast Inn, wo auch Winfried wohnte und gleich früh am morgen machten wir uns bekannt und es war supertoll beide Behlaus endlich kennenzulernen. Danach hatten wir ein tolles Frühstück zusammen und dann ging es in die Uni.


Den genauen Ablauf von dem Workshop könnt ihr ja auf unserer Website nachlesen, so beschränke ich mich auf meinen persönlichen Eindruck. Also, es war schon erstaunlich für mich, dass man an der Uni Ottawa sich für uns Russenkinder interessierte – und auch das andere Thema, wo es sich um die misshandelten Frauen von Bosnien Herzegowina handelte. Es gab an zwei Abenden Filme zu diesem Thema zu sehen, die mir sehr unter die Haut gingen. Dann war ich auch sehr überwältigt von der Sprecherin Lelja Damon die uns ihre Geschichte vorgetragen hat wie sie ihre leibliche Mutter nach jahrelanger Suche gefunden hat. Winfried war der absolute Superstar mit seinem Vortrag, sehr interessant waren dann auch die Diskusionen nach den Vorträgen der Sprecher. Für diesen Workshop muss man sich bei Agatha Schwartz bedanken, denn ohne sie hätte dieser nie stattgefunden.


Beim Workshop waren einige Mitglieder von der deutschen Botschaft in Ottawa anwesend und wir wurden zum Essen eingeladen am nächsten Tag, beim Italiener, war sehr schön.


Ansonsten war es für mich zu kalt in Kanada, bis zu 30 Grad unter Null, ich hatte nicht das passende Schuhwerk dabei weil ich ja in den Tropen wohne und musste mir daher teure Alpinstiefel kaufen wo ich hier absolut nicht brauche. Die Tage mit Winfried und Frau waren sehr schön, wir haben einiges zusammen unternommen. Am letzten Abend hat uns Agatha Schwartz zum Essen in - “Das Lokal “- eingeladen, deutsches Essen, das war der krönende Abschluss.


Leider war der Aufenthalt in Ottawa viel zu schnell vorbei, die Heimreise war dann noch viel länger mit 15 Stunden Verspätung.


Renate B. Florida USA



8. Mai 2018

Hallo,


ich habe diesen interessanten Artikel beim Tagesspiegel gefunden:

https://www.tagesspiegel.de/politik/kriegsende-am-8-mai-1945-von-deutscher-identitaet/21253550.html

dies an Euch und die anderen Distel-Schwestern und -Brüder zur Info zum Ende des 2. Weltkriegs - mit Gruß!

Uli



8. Mai 2018 Kriegsende

(Bezug auf "Der Irrtum" aus Polen, nachzulesen unten auf der Seite POLSKA)

Das ist eine schoene Geschichte. Als Deutscher liest man mit Erleichterung, dass es auch anstaendige Deutsche Soldaten gegeben hat.


Das erinnert mich an meinen Berliner Grossvater. Mein Vater hatte ein Taschenmesser, das er von seinem Vater geerbt hatte, das er mir spaeter gegeben hat und das mein Sohn jetzt hat. Das Messer hat eine Geschichte, die auf den Ersten Weltkrieg zurueckgeht. Mein Grossvater war an der Russischen Front stationiert. Eines nachts, als er Wache stand, versuchte er, seine Pfeife anzuzuenden. Jedesmal, wenn er versuchte, ein Streichholz anzuzuenden wurde die Flamme ausgeblasen, obwohl es nicht windig war. Das passierte mehrmals bis er feststellte, dass da in der Dunkelheit jemand vor ihm stand. Es stellte sich heraus, dass es ein Russischer Soldat war, der die Flamme ausblies, um nicht erkannt zu werden. Irgendwie haben sie sich gegeneinander zu verstehen gegeben, dass sie den anderen nicht verraten werden. Als Erinnerung an dieses Erlebnis, tauschten sie ihre Taschenmeser aus.

Liebe Gruesse von

U (USA)


7. Mai 2018


Der Irrtum

                                                                               

Eine Dankbarkeit, die nie direkt geäußert wurde, schlummert irgendwo in den Winkeln der Erinnerung; sie ist eine lebendige Energie, obschon die Menschen, an die sie gerichtet ist, bereits namenlos von uns gegangen sind.

Dankbarkeit bewegt mich auch dazu, diese Geschichte aufzuschreiben. Ich möchte, nein, ich muss sie vor dem Vergessen bewahren.


Das Ganze ereignete sich während des zweiten Weltkrieges und betrifft meine schon lange nicht mehr lebenden Eltern.

Ich muss gestehen, dass mich weder als Kind noch als Jugendliche die Geschichten aus der Vergangenheit, die in meiner Familie kursierten, besonders interessiert haben.

Erst heute, als Erwachsene, spüre ich das starke Verlangen, einige Erzählungen fest zu halten.


Meine Eltern Alicja und Franciszek wohnten 1940 in dem kleinen Grenzstädtchen Terespol an der Bug, unweit von Lublin.

Das Gebiet war von Hitlerdeutschland besetzt worden, und im Städtchen hatte man deutsche Militärpolizisten stationiert. Mein Vater weilte oft in einer der Kneipen am Ort. Das von Leuten und Zigarettenrauch überquellende Lokal diente als Zentrale für den Austausch von Informationen und Tratsch sowie für den Schwarzhandel.

Die Militärpolizisten kamen zum Karten spielen und Bier trinken hierher. Mein Vater sprach gut deutsch und unterhielt sich manchmal mit ihnen.

Einer der Gendarmen, der hochgewachsene und rothaarige Georg (ich nenne ihn hier so, weil ich seinen wirklichen Namen nicht erinnere), war ein besonders freundlicher Mann.

Zusammen an der Bar lehnend und schon ziemlich betrunken, vergaßen Georg und mein Vater für einen Moment, dass sie eigentlich Feinde waren.

Georg gab Frank zu verstehen, dass er kein Befürworter des Krieges war.

Später zu Hause erzählte mein Vater meiner Mutter davon. Sie regte sich sehr auf und warf meinem Vater vor: „Franiu, wie kannst du dich mit diesem Deutschen befreunden! Bist du dir nicht im Klaren darüber, dass wir Krieg haben? Du bist total leichtsinnig!“

Hier möchte ich hinzufügen, dass Alicja von Natur aus eine sehr besonnene, verantwortungsbewusste und ernste Frau war. Franek erwiderte nur: „Krieg haben wir so oder so“, und traf sich weiterhin mit Georg.

Ein Jahr später verließen meine Eltern Terespol und mein Vater verlor den Kontakt zu dem rothaarigen Militärpolizisten.


Im Sommer 1944 lebten meine Eltern in Warschau. Sie ahnten nicht, dass in der Stadt ein Aufstand gegen die deutschen Besetzer vorbereitet wurde.

Den Warschauer Aufstand überlebten sie in Kellern, in denen sie Schutz vor Bomben fanden und entkamen durch Abwasserkanäle den gefährdeten Orten. Das war nicht leicht mit einem kleinen Kind- mein Bruder Andrzej war gerade mal drei Jahre alt.

Im September 1944 wurde der Aufstand niedergeschlagen.

Warschau hatte sich in ein Meer von Ruinen verwandelt. Die Bewohner der Hauptstadt, die überlebt hatten, wurden von den Deutschen angewiesen, sich an bestimmten Punkten in der Stadt zu sammeln. Von dort aus sollten sie in Konzentrationslager  transportiert werden.


Alicja, Franek und der kleine Andrzej befanden sich in der Menschenmenge, die sich vor der zum Teil noch erhaltenen Kirche des hl. Franziskus in Warschau versammelt hatte. Sie waren erschöpft und hungrig, und ihre Gesichter hatten eine grünliche Farbe angenommen von der langen Zeit in den Kellern und Kanälen.

Um sie herum schrien die Deutschen Befehle.

Immer wieder fuhren leere Lastwagen vor die Kirche, in die  weitere Menschengruppen brutal getrieben wurden.

In der Menschenmenge herrschte Verzweifling- alle wussten, dass sie in Todeslager gebracht wurden und dass sie in einem so geschwächten Zustand nur minimale Chancen zu überleben haben würden.

„Das ist unser Ende“, wiederholte Franek von Zeit zu Zeit resigniert, „das ist unser Ende.“ Schweigend beschäftigte sich Alicja mit ihrem Sohn.


Da bemerkte Franek plötzlich inmitten der deutschen Soldaten seinen rothaarigen Kumpel aus Terespol! Ein Funken Hoffnung glomm in ihm auf und er schrie aus Leibeskräften: „Georg, Georg!“

Der Soldat trat zu meinen Eltern und sagte verwundert: „Ich bin nicht Georg.“ Mein Vater betrachtete ihn verzweifelt. Tatsächlich, er hatte sich geirrt. Der kleine Hoffnungsschimmer in ihm erlosch. Für einen Moment sahen sich der Soldat und er schweigend in die Augen.

Der unbekannte rothaarige Soldat zögerte einen Moment, dann fügte er hinzu: „Georg ist mein Bruder.“

Franek begann fieberhaft zu erklären: „ Ich kannte Georg gut, wir waren befreundet, in Terespol…!“ Georgs Bruder sah sich nervös um und raunte meinem Vater zu: „Geh mit deiner Familie etwas zur Seite und warte dort drüben unter dem Baum. Ich komme gleich wieder.“


Ein paar der Nähe Stehende hatten das Versprechen gehört und so sammelte sich nach einer kurzen Zeit unsere zahlreiche „Familie“ unter dem Baum- Onkel, Tanten, Kusinen und Schwäger, zusammen ungefähr zwanzig Personen.

Ein paar Minuten vergingen. Georgs Bruder tauchte wieder auf und sah sich ungeduldig um. Nach einer kleinen Weile hielt unter dem Baum ein leerer Lastwagen.

„Los, los!“, schrie sie der rothaarige Soldat an und jagte alle, die unter dem Baum standen, in den LKW. Dann wechselte er leise ein paar Worte mit dem Fahrer des Lastwagens und verschwand.

Der geschlossene LKW fuhr über die löchrigen und Schutt bedeckten Warschauer Straßen, bis er auf staubigen Vorstadtwegen das Städtchen Włochy (heute ein Stadtteil Warschaus) erreichte. Dort befahl ihnen der ängstlich wirkende Fahrer schnell auszusteigen und fuhr davon.

Es zeigte sich, dass die deutsche Armee sich bereits aus Włochy zurück gezogen hatte.


Sie waren frei! Zwanzig Menschen waren von dem rothaarigen Soldaten und dem Lastwagenfahrer gerettet worden.

Von Ida Baj und Übersetzung von Rita Schäper



27. März 2018

Dear Winfried:

 

It was so wonderful to meet you and your wife, and also Renate, and hear your stories. You spoke with compassion and care and we benefitted greatly from your participation in the workshop. Thank you for sending me the English-language version of your book. I look forward to reading it. You and your group are doing very important work.

 

I am preparing for a trip to Australia, so I will arrange for an interview with you later.

 

Best wishes,

Christabelle




Gästebucheintrag 15. Januar 2018


Liebe Distelblüten,

 

ich bin auch eine von Euch  und da ich seit einiger Zeit in Eurer Verteilerliste stehe und mitlese, denke ich, dass es an der Zeit ist, mich einmal kurz vorzustellen.

Vorerst aber ein paar Worte zu Renate: auch ich habe mir gestern Abend die Fernsehsendung über Renates Familientreffen angesehen. Sie hat mich sehr bewegt und aufgewühlt und ich freue mich sehr mit Renate über diese endlich von Erfolg gekrönte lange Suche!  Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Durchhaltevermögen, liebe Renate, und mögen die nunmehr gewachsenen  fehlenden Baumwurzeln weiter wachsen und sich  kräftig entwickeln!

Nun zu mir: ich bin Dagmar, 1946 als Kind eines sowjetischen Offiziers in Berlin geboren und aufgewachsen. Speziell West-Berlin als Ort des Aufwachsens erscheint mir deshalb erwähnenswert, weil es in den 50-er Jahren die Hochburg des fortgesetzten Russenhasses und der Russenhetze in der neu gegründeten Bundesrepublik war. Verständlich, dass meine Mutter mich  - und sicher auch sich selbst - vor Anfeindungen schützen wollte und  deshalb  anderen Menschen,  aber auch mir,  meine Herkunft verschwieg. Ich bekam  unmittelbar  nach meiner Geburt einen Stiefvater, der mich sofort in ein Heim geben wollte, was meine Großmutter verhinderte.

Zwischen  meinem Stiefvater,  einem Offizier der Nazi-Luftwaffe,   und meinem unsichtbaren aber über allem schwebenden russischen Vater wuchs ich also im Spannungsfeld zweier sich feindlich gegenüberstehender Offiziere auf, da sich mein Stiefvater bis zu seinem Tod leider nicht von seinen Nazi-Zwangsgedanken vom „russischen Untermenschen“ befreien konnte.

Dass er damit außer meiner Mutter und mich in erster Linie sich selbst schädigte,  hat er bis zu seinem Lebensende nicht im Entferntesten wahrgenommen, bzw. wahrnehmen wollen. Noch einmal kurz vor seinem Tod auf meinen leiblichen Vater angesprochen war das einzige, was er sagen konnte: „Der war später mal bei uns“. Was also fängt man  über 70 Jahre nach den Geschehnissen  mit so einer Auskunft  an? Immerhin ermöglicht sie die vage Hoffnung darauf, dass mein nie gekannter Vater auch später in seinem Leben ab und zu an meine Mutter und an  mich gedacht haben könnte.

Dass etwas an der von meinen Eltern dargestellten Biographie nicht stimmen konnte, hab ich schon als Kind gemerkt, wenn meine Eltern sich stritten und mein Stiefvater grundlos über mich herzog,  meine Mutter und mich beschimpfte und mir aufgrund meines „ererbten Charakters“ eine rabenschwarze  Zukunft prophezeite. Natürlich gab es  auch bei uns die damals  üblichen Erziehungsmethoden  zum Austreiben des „slawischen Untermenschencharakters“, die viele von Euch ebenfalls kennengelernt haben. Ich muss dazu nicht in die Einzelheiten gehen, ihr kennst sie wahrscheinlich alle. Die Krone des Ganzen war, dass er meiner Mutter immer wieder vorwarf, dass sie mich liebte.

Nach dem frühen Tod meiner Mutter im Jahre 1965  - damals war ich 19 Jahre alt-  war endlich Schluss damit. Aufgrund eigener Initiative erfuhr ich vom zuständigen Amtsgericht mehr über meine Herkunft. Ich zog sofort von  zu Hause aus und begann, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen . Unter anderem mit dem Ziel, die zugefügten Verletzungen zu überwinden.

 

Jetzt, mit  voranschreitendem  Alter,  denke ich zunehmend daran, dass ich wahrscheinlich noch eine Familie in Russland habe, sehe aber keinerlei Chance,  sie jemals kennenzulernen, weil meine Mutter alle Begebenheiten und auch den Namen meines Vaters mit ins Grab genommen hat. Das würde ich ihr heute noch vorwerfen, würde sie leben..

Ihr Schweigen hat auch frühzeitig die Beziehung zwischen uns zerstört. Es gibt einige wenige Dinge, mitgeteilt in flüchtigen andeutenden Bemerkungen, die ich  damals über meinen Vater ( ohne, dass er direkt benannt wurde)  und „  die Russen im Allgemeinen“  erfahren habe. Diese Bemerkungen waren - ganz erstaunlich und daher auffällig -  immer positiv belegt,  ganz im Gegensatz zum  politischen  Klima im damaligen West- Berlin.

Ich bin meiner Mutter  trotz allen Schweigens und Verschweigens  dankbar dafür, dass sie mir  frühzeitig eine sehr positive Sicht  auf die Menschen des Landes, die so sehr unter den verbrecherischen Untaten unserer Stiefväter  leiden mussten, vermittelt  hat.

Meinem russischen Vater bin ich dankbar für die Erbanlagen, die er mir mitgegeben hat und die dazu beitrugen, dass ich gut und auch einigermaßen glücklich durch` s Leben kam.

Natürlich gäbe es  noch viel mehr zu sagen, es soll aber an dieser Stelle genug sein, denn jetzt wisst Ihr ein wenig mehr darüber,  mit wem Ihr es in der Mailingliste zu tun habt.  Und ich freue mich darauf,  Euch im April in Leipzig  kennenzulernen.

 

Gruß von D