Heidenreich

Im Herbst 2017 erschien ein Buch von Gisela Heidenreich: Born of War - Vom Krieg geboren.

Am 23.11.17 wurde dieses Buch in der Dänischen Botschaft in Berlin vorgestellt. Im vollständig gefüllten Saal der Botschaft sprachen außer Frau Heidenreich im Buch vorgestellte Mitautoren aus Norwegen, Finnland und Dänemark zum Thema. Wir haben das Buch gelesen und können es eindringlich empfehlen.

mehr... zum Empfang.

Aus dem Geschichtsunterricht erinnere ich mich nur, dass es eine Abfolge von Kriegen und Eroberungszügen war. Krieg war immer nur Tod, Leid und Vertreibung. Dass Krieg auch neues Leben bedeuten konnte, war mir nicht präsent, obwohl es zu allen Kriegen dazu gehört.

Im Buch „Vom Krieg geboren“ geht es um die Kinder von Wehrmachtsangehörigen aus ganz Europa. Die deutschen Soldaten duften in den nordischen Ländern Liebesbeziehungen zu einheimischen Frauen eingehen, im Westen war es zumindest geduldet und im Osten strikt verboten, da die Menschen aus dieser Region als rassisch minderwertig galten.

Bei „rassisch wertvollen“ Müttern und Vätern gab es Unterstützung durch den Verein Lebensborn e.V. Da durch den Krieg ein Aderlass der Männer gegeben war, sprach auch nichts dagegen ledige Mütter zu unterstützen und bei einer möglichen Adoption behilflich zu sein. Für die Kinder war es wichtig, in einer Liebesbeziehung entstanden zu sein.

 

Im Buch kommen etliche Deutschenkinder zu Wort und beschreiben, wie sie mit ihrer Geschichte umgegangen sind. Dabei sind die parallelen Entwicklungen nicht zu übersehen, die es zu den Amikindern oder Russenkindern gibt. Die Mütter haben geschwiegen und oft war es schwierig ihnen das Geheimnis ihrer Liebe zu entlocken. Sie erlebten Strafen wegen ihrer Liebe zu einem Feindsoldaten und auch die Kinder hatten oft Schuld- und Schamgefühle. Für viele war es schwierig ihre Väter zu finden. Selbst bei erfolgreicher Suche kam es zur Ablehnung durch die deutsche Familie.

 

Erst jetzt, wo es fast zu spät ist, berichten viele erstmalig über ihr Leben. Die Abschnitte „Leerstellen“ im Buch fand ich besonders beeindruckend. Es wird überdeutlich, dass z.B. in Osteuropa, Italien und Griechenland das Thema von Besatzungskindern immer noch zu den großen Tabuthemen gehört. Wissenschaft und Bevölkerung schweigen immer noch. Es dürfte die doppelte Schande sein: Ein uneheliches Kind und dann vom Feind.

 

Im Buch sind Lebensgeschichten von Kindern einer Kriegsliebe nachzulesen. Kinder aus Vergewaltigungen verstecken sich oft weiterhin. Gerade in Russland hat es aber viele Vergewaltigungen gegeben, die von deutschen Soldaten begangen wurden, nicht minder schlimm wie nach dem Einmarsch der Roten Armee in Deutschland. Da aber das russische Volk heroisch gegen die Nazis gekämpft hatte, passte es nicht in das stalinistische Bild, wenn Kinder deutscher Soldaten zurück blieben.

 

Wir wünschen uns, dass dieses lesenswerte Buch dazu beitragen wird, dass auch im Osten (und Süden) Mauern des Schweigens aufgebrochen werden.

Gisela Heidenreichs früher erschienene Bücher werden eindrucksvoll ergänzt.

Winfried Behlau

 

In den letzten Jahren sind einige Bücher zu Kindern des Krieges erschienen. Über Besatzungskinder,  „Geschenke der Alliierten," wie wir uns auch nennen. Über Kriegskinder, die den Krieg miterlebten und Nachkriegskinder, die von  traumatisierten  Eltern und Großeltern großgezogen wurden, oft mit dem Mantel des Schweigens, was die eigenen Kriegserlebnisse betrifft.

Das Buch von Gisela Heidenreich schließt eine Lücke. 

Kinder der Wehrmacht, die es in ganz Europa gibt, berichten. Unzählige gibt es, die ihre Wurzeln bis heute nicht kennen oder aus Scham schweigen.

Es sind nicht nur die einzelnen Schicksale, die mir ein beklemmendes Gefühl machen. Sie ähneln denen von uns, den Besatzungskindern. Es sind Erfahrungen in der Familie und im Umfeld, wie wir sie auch gemacht haben.

Das z.Teil lebenslange Schweigen der Mütter, die Verleugnung des Feindkindes, dessen Suche nach den Wurzeln und nach Identität. Ein Prozess, der für die meisten bis heute anhält.

Doch dieses Buch lässt mich erschaudern. Wie kein anderes, das ich bisher gelesen habe, macht es vor allem durch die vorangestellten Beiträge der Historiker deutlich, mit welcher Perfidität die Rassenideologie der Nazis, namentlich von Himmler, betrieben wurde.

Einerseits die massenhafte Ausrottung der Juden, der Menschen der  'minderwertigen Rassen im Osten' und Vernichtung 'unwerten Lebens' durch Euthanasie.

Andererseits der Appell an deutsche Männer und Frauen in Verantwortung für das deutsche Volk (auch außerehelich) neues Leben guten Blutes in ganz Europa zu zeugen.

Lesen Sie selbst!

Die persönlichen Lebensberichte der Wehrmachts- und der Lebensbornkinder sind beklemmend.

Die Ideologie, die dahinter stand ist unvergleichlich.

Dieses Buch gehört in den Geschichtsunterricht und in jede Bibliothek.

 

Birgrit Michler

 

Für uns Distelblüten hat Gisela Heidenreich eine Widmung mit den besten Wünschen für weitere gute Zusammenarbeit in BOWin im Buch eingetragen. Wir danken auch dem Verlag für ein Presseexemplar.