Treffen 2016

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3. Russenkindertreffen 01. bis 03. April Leipzig 2016

 

Wenn wir zwei Wochen brauchten um darüber zu schreiben, dann deshalb, weil die Eindrücke, die Begegnungen und Gespräche in uns viel bewegt haben, so dass wir nicht gleich die Worte für eine nachträgliche Einschätzung finden konnten.

 

Wir haben so viele eMails erhalten, voller Emotionen und dankbarer Worte, dass wir an dieser Stelle unser Danke zurückgeben möchten.

Ein Gefühl der Verbundenheit und der Zusammengehörigkeit ist geblieben.

Und Dankbarkeit für die Offenheit und das Vertrauen, dass wir uns gegenseitig entgegengebracht haben.

 

Zum dritten Male haben wir uns in Leipzig getroffen.

18 TeilnehmerInnen hatten sich angemeldet und waren gekommen.

Und wir hatten einen ganz besonderen Gast: Boris, geb. in Russland: Renates Hund.

Acht waren zum ersten Mal dabei. Über unsere Homepage, unser Buch, über Fernsehsendungen und andere Medien haben sie zu uns gefunden.

Wegen Krankheit war es Einigen ‘der ersten Stunde’ nicht möglich dabei zu sein. Schade. Ihnen gelten unsere Grüße.

 

Um es vorwegzunehmen. Alle wollen zum nächsten Treffen wiederkommen.

Das heißt: Es wird ein nächstes Treffen geben, 2017.

 

In Leipzig Connewitz haben wir uns dieses Mal getroffen und konnten dort auch unsere Tagung durchführen, ohne Fahrzeiten an einen anderen Tagungsort zu haben.

 

Die An - und Abreise der Einzelnen von Donnerstag bis Sonntag ließ Zeit und Gelegenheit für individuelles Kennenlernen und Gespräche am Rande des geplanten Geschehens. Das war gut.

 

 

Grafik Distelblüten Knut Weise Breda NL

Der erste Tag war dem gegenseitigen Kennenlernen gewidmet und dem Resümee auf das vergangenen Jahr, in dem so unglaublich viel bewegt wurde.

Ein Dank geht an unsere zwei Psychologinnen von der Uni Leipzig, die uns seit zwei Jahren unterstützend begleiten. Sie und eine junge Doktorandin waren am ersten Tag dabei. Wir erfuhren vom neuen EU Projekt und in welcher Form mit den Besatzungskindern weiter gearbeitet werden soll.

Es ist für uns eine wohltuende Erfahrung, dass die Wissenschaftler nah an ihren “Forschungsobjekten” dranbleiben. Ein Danke auch ihnen allen.

 

Der Vorstellungsrunde am ersten Tag wurde viel Raum gegeben. Vor allem den Neuen unter uns.

Wenn wir dachten, wir wüssten schon alles, was es an Erfahrungen und Erlebtem als Besatzungskind gibt und alle Schicksale glichen sich, dann müssen wir sagen: Nein. Es herrschte viel Betroffenheit über das, was berichtet wurde. Emotionen und auch Tränchen gehörten dazu.

Hier ist nicht der Platz für Details über Einzelne. Das alles lässt sich auch schwer in Worte fassen.

Die für jeden Menschen prägende Kindheit hat Spuren hinterlassen, die bis heute wirken.

 

Vielleicht finden einige noch den Mut, ihre Geschichte aufzuschreiben und sie anderen mitzuteilen. Schreiben kann befreiend wirken, das wissen die, die es bereits getan haben. Und Sprechen.

 

Sprechen: Das war das Anliegen des zweiten Tages.

4 ½ Stunden Aussprache. Alle, die es wollten, kamen zu Wort, ohne Zeiteinschränkung. Es gibt noch viel Redebedarf.

Und es gibt immer noch Einzelne, die bisher keinen Ort gefunden haben, an dem sie so offen über alles sprechen konnten.

Die Erfahrungen reichten von der Ablehnung als Vergewaltigungskind oder des fremden “Russenbalges” als Kind, von der ewig schweigenden Mutter und auch dem Verhältnis in den jetzigen Familien.

Nach dem Gang in die Öffentlichkeit gibt es in den Familien nicht nur Zuspruch. Es wird von Nestbeschmutzung gesprochen und Ähnlichem.

Auch hierzu soll nicht detailliert berichtet werden.

 

Es liegt noch viel Unbearbeitetes an. Das Gefühl im einem Kreis Gleichbetroffener zu sein, wo vorbehaltlos über alles gesprochen werden konnte, war für alle wohltuend. Gegenseitige Offenheit und Respekt gegenüber Emotionen und Gefühlen prägten die Aussprache.

 

Unser Dank gilt PD Dr. Philipp Kuwert, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Stralsund. Er begleitete feinfühlig und dezent die Aussprache.

Alle Teilnehmer bedankten sich, auch im Nachhinein in Mails für seine Unterstützung (Ohne Honorarforderung). Auch Philipp Kuwert dankte  für das Vertrauen und die Offenheit mit der in der Aussprache sehr Persönliches zur Sprache gebracht wurde.

 

Folgende Problemkreise standen dabei im Vordergrund:

 

- Fragen und Erfahrungen bei der Identitätsfindung

- Das lange Schweigen der Mütter ( und Familien)

- Bindungs- und Beziehungserfahrungen ( Kindheit bis jetzt)

- Unser Vaterbild, das die Kindheit prägte, die Vatersuche, Erfahrungen bei der Vaterfindung

 

Am ersten Abend berichtete Peter von seiner ungewöhnlichen Vatersuche, die er fast schon aufgegeben hatte. In Tschuwaschien hat er nun das Grab des Vaters besuchen können, eine Halbschwester und viele neue Freunde gefunden, die den Deutschen mit großer Herzlichkeit in ihrer Mitte aufnahmen. (auf der Homepage steht ein Bericht unter PETER).

 

 Noch besteht für Einige der Wunsch, nach den Wurzeln zu suchen und sie zu finden, wenn auch nicht die Väter, die es kaum noch geben wird, doch vielleicht noch lebende Geschwister oder andere Angehörige. Und über sie Kenntnisse zu bekommen über die unbekannten Väter. Denn das bestehende Vaterbild ist für viele noch ein weißer Fleck geblieben. Wir wissen, es bleibt nicht mehr viel Zeit.

 

 

Über unseren Austausch zu Erfahrungen in und mit der Öffentlichkeit, mit Medien und bei Vorträgen und Lesungen soll hier verzichtet werden.

Ebenso zu unserem Buch ”Distelblüten …” Unsere Homepage bietet für alle Interessenten Informationsmöglichkeiten.

 

Die gesellige Runde am Abend bot uns allen Möglichkeiten für Gespräche und sich persönlich kennenzulernen.

 

Lassen wir die Kontakte miteinander nicht abreißen. Wer weiter Gesprächsbedarf hat, wird ganz sicher Ansprechpartner gefunden haben.

 

Ansprechpartner für die Gruppe wird als Herausgeber unseres Buches und Gestalter der Homepage und auch als Kontaktperson zu internationalen Vereinigungen und Personen weiter Winfried Behlau sein.

 

Unser “Distelblütenfeld”  ist größer geworden.

 

Birgrit und Winfried

April 2016