Treffen 2018

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5. Russenkindertreffen 20. bis 22. April Leipzig 2018

 

Wir danken allen, die gekommen sind und auch so viele positiven Rückmeldungen gaben. Der beste Beweis ist die Planung eines nächsten Treffens am 5. / 6. April 2019 an gleicher Stelle.

 

Ein Bericht über das Treffen ist in Arbeit.

 

Hier in Stichworten:

Freitag, 20. April 2018

Ab 10 Uhr trafen die ersten D-Blüten ein. Besonders schön war, dass Riwan kommen konnte.

Planmäßig begannen wir im Tagungsraum mit über 20 Teilnehmern.

Die ersten Grüße gingen an die, die nicht kommen konnten, aber gern dabei gewesen wären: Gute Besserung Jürgen und Reinhard. Jürgen lässt ausrichten, dass wir seine Geschichte weiter in der Welt verbreiten sollen mit der Botschaft:

NIE WIEDER KRIEG.

 

In der Vorstellungsrunde war es schön einige Neue begrüßen zu dürfen.

 

Heide Glaesmer von der Uni Leipzig gab uns einen Überblick über aktuelle Forschungsprojekte. Die große Tagung von CHIBOW neulich in Belfast und Ende Juni in Leipzig mit einem öffentlichen Teil zeigt: Die Mühe lohnt sich.

 

Schön, dass Marie ihre Promotion mit Summa cum Laude abgeschlossen hat. Ohne Heide und Marie gäbe es die Distelblüten nicht. Wir gratulieren Marie.

 

Sehr emotional konnte Renate über ihre Vaterfindung im letzten Jahr berichten. Natürlich kannten wir die Version aus dem Fernsehen. Aber was dann so hinter den Kulissen abläuft, ist hochinteressant. Nicht alles, was gesendet wird, ist so auch gemeint gewesen. Wer mit Journalisten zusammen arbeitet, weiß, wie schwierig es ist, Nachrichten richtig zu transportieren. Trotzdem ist es wunderbar mit unseren Botschaften so viele Menschen zu erreichen.

Mit den Informationen ihrer Brüder im Altai kann Renate nun Teile ihrer Geschichte neu schreiben. Die zweite Seite der Kindheit zu erfahren, ist einfach beglückend.

Vielleicht kann Renate im nächsten Jahr über den Besuch zum Grab des Vaters berichten.

 

Birgrit gab einen Überblick über Aktivitäten, sie wird hier noch selber schreiben.

Stichworte sind Lesungen in Bibliotheken, Schulen, bei Seminaren in Bildungsurlauben, deutsch-polnische Überlegungen und Kontakte.

 

In einer Liste trugen wir Medienaktivitäten des letzten Jahres ein. Im stillen Kämmerlein sollte niemand unser Thema verbreiten.

 

Winfried sprach über die erfolgte Teilnahme am Workshop in Ottawa, Agatha wünschte uns per Mail zeitlich passend eine gute Tagung.

Wichtigste Botschaft aus Ottawa: Historiker wollen in ihrer Geschichtsschreibung den Krieg nicht mit dem Sieg enden lassen, sondern auch über die Kinder des Feindes schreiben.

Wir gehören dazu und sind als Zeitzeugen willkommen.

Theater und Literatur greifen das Thema auf. In Ottawa sah ich die Premiere zu CHEERS TO SARAJEWO von einer Gruppe aus Südafrika. Wer an dem Stück interessiert ist, möge sich bei mir melden.

 

Zum Abendessen trafen wir uns an einer langen Tafel beim Italiener. Dieser Austausch in kleinerem Kreis fand große Zustimmung.

 

Samstag, 21. April 2018 pünktlich um 10 Uhr

Winfried zu Organisationsfragen und zur Website, die sehr gut besucht wird.

Wunsch an Alle: Wenn Links nicht mehr aktuell sind, bitte einen kurzen Hinweis geben und auch eigene Berichte einsenden. ( zwei sind schon eingetroffen)

 

Buch:

Es könnte sein, dass unser Buch im Laufe des Jahres vergriffen sein wird. Da ein Papierbuch teuer wird, könnten wir zunächst eine überarbeitete E-Book Ausgabe herstellen.

Was hat das Buch mit den "alten" Distelblüten gemacht, wie sie verändert? Neue sollten ihre Geschichte aufschreiben und der Nachwelt erhalten.

Die englische Ausgabe von Distelblüten ist nur noch mit vier Exemplaren in der Printversion verfügbar. Die elektronische Ausgabe ist zZ 100 mal abgerufen worden.

 

Alexander ist neu, hat wie alle eine ganz unterschiedliche Herkunftsgeschichte und lässt uns daran teilhaben.

 

Katharina kümmert sich um eine Flussfahrt in Russland. Noch ganz zaghaft träumen wir von einer solchen Reise.

 

Ronald liest aus seinem Buch "Breiter". Wir sind gespannt auf sein neues Werk. Es wird im Herbst erscheinen.

 

 

Die Mittagspause findet an einigen Tischen im Bayerischen Bahnhof im Biergarten statt. Bei insgesamt sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein ist das eine wahre Freude.

 

Nicht dabei ist Birgrit. Sie hat am Vormittag sehr kurzfristig für 14 Uhr einen Drehtermin mit dem MDR Sachsenspiegel bekommen und kann da nicht kneifen.

 

Wir anderen besorgen noch etwas Wein für den Abend und gehen zur Russischen Kirche. Sie ist gut einen Kilometer entfernt. Dort treffen wir auch noch auf das Kamerateam.

Beim gemeinsamen Spaziergang durch den Friedenspark sind individuelle Gespräche gut möglich. Das Konzept, nicht zu viele starre Programmpunkte aufzunehmen, scheint gut zu sein.

 

Das Abendessen kommt teils vom Italiener, teils aus eigener Küche und wird während der Sendung Sachsenspiegel eingenommen. Da das Haus kein WLAN für uns hat können wir nur mit etwas Trickserei ein anderes Netz benutzen.

 

Zu später Stunde findet jeder sein Bett.

 

 

Sonntag, 22. April

Im Gästehaus sind nur 8 von uns, doch vom nahen Hotel gibt es noch Besuch. Manche haben ein Ziel in Leipzig, andere waren schon im Zoo beim Nashorn.

 

Karoline Knappe vom Radio MDR Kultur hatte mit Renate am Donnerstag ein Interview gemacht. Das konnten wir am 24. bei einer Lesung in Cottbus gut einspielen.

Diese Lesung war nicht nur gut besucht, besonders wohltuend war die Resonanz - neue Distelblüten. Wir sind nicht so allein, wie man vielleicht denken mag.

Winfried

 

 

Zu unserem Treffen und Austausch in Leipzig ein paar Gedanken von Alexandra:

 

- Wichtig scheint mir der Austausch von offiziellen Terminen und Ereignissen zum Thema: Children Born of War und hier speziell der Russenkinder aus unterschiedlichen Beziehungen.

 

- der persönliche Austausch, der dieses Jahr neben der Berichterstattung größeren Raum einnahm war sehr gut.

 

- die Offenheit gegenüber Neumitgliedern - die auf verschiedenen Wegen zu uns gelangen und durch ihre Erfahrungen bereichern und unterstützen

 

- die Einbindung von Medien - es war eine gute Idee von Birgrit, den Sachsenspiegel nach Leipzig einzuladen und neben dem eigenen Beitrag auf die Gruppe und ihre Aktivitäten zu verweisen

 

- die jährliche Begegnung vertieft den eigenen Prozess der Selbstverständigung, der in veränderter, differenzierter Sichtweise der eigenen Biografie deutlich wird und neue Narrative ermöglicht.

 

- gleichzeitig erfahren Neumitglieder und andere Stärkung und Unterstützung für die eigene biografische Aufarbeitung

 

- last but not least erfahren wir an und mit uns selbst eine Aussöhnung mit uns selbst und dem „angeblichen“ Feindbildern, die leider all zu gegenwärtig sind.

 

Der Gedanke von Marianne, dass wir uns in unserem eignen Prozess der Selbstverständigung durchaus als echte Peacemaker verstehen, sollten wir nicht überschätzen und nicht unterschätzen.

Vergleichbar den von Nelson Mandela eingerichteten „Versöhnungszentren“, sind das Treffen und der Gedankenaustausch eine Annäherung an Konfliktursachen in der eigenen Biografie als auch im gesellschaftlichen Prozess.

Jeder von uns verläßt Leipzig mit der Anregung, für sich und andere etwas zu tun.

Die Idee, die von der Studie und dem ersten Treffen in Leipzig ausging wächst auf der Grundlage der „Graswurzelbewegung“ nachhaltig und wirksam für uns alle. Das ist gut so.

 

Soweit ein paar Gedankensplitter.

Kurze Rückmeldung zum Treffen:

 

Ich möchte hier nicht wiederholen, was Marianne in der Vorstellungsrunde, die Gruppe betreffend , Positives gesagt hat. Es entspricht voll dem, was ich während des Treffens und danach empfunden habe.

 

Nur dieses hier:

Es war ein gutes und warmes Gefühl, unter euch und mit euch zu sein an diesem Wochenende in Leipzig.

Und es hat fast ein wenig weh getan, so schnell wieder Abschied nehmen zu müssen von der gerade erst gefundenen vielfältigen „Geschwisterschar“.

 

Die Biografien aus dem Buch und von der Website haben für mich Gestalt angenommen, sie können jetzt lebendigen Gesichtern zugeordnet werden.

 

Als besonders wohltuend habe ich empfunden, dass die Voraussetzungen zu diesem Treffen für alle klar waren. Es musste nichts Grundlegendes erklärt werden, jeder wusste, wovon der andere redete, was authentische Gespräche ungemein erleichterte.

 

Und so freue ich mich dann auf unser nächstes Treffen im kommenden Jahr.

 

Mit herzlichem Dank an Birgrit und Winfried für die Vorbereitungsarbeit und die warmherzige Atmosphäre, die durch ihr Tun das Treffen so gestaltete.

 

Dagmar

Renate Walter berichtet im MDR Kultur über ihre Vaterfindung.

Mit freundlicher Erlaubnis von Karoline Knappe

MDR Kultur, aufgenommen am 19. April 2018

Dauer ca 4 Minuten

 

 

Mit Genehmigung des MDR ist hier der Link zur Sendung im Sachsenspiegel vom

Sonnabend, d. 21.04.2018

 

Gespräch mit einer der Distelblüten, Birgrit und mit Information über unser Gruppentreffen..

Dauer ca. 2 1/2 Minuten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier möchten wir allen Journalisten danken, die unser Thema aufgreifen, gut berichten und sich in keiner Weise verweigern - im Gegenteil: Uns suchen, nicht umgekehrt.

 

 

Birgrit:

Es ist wohltuend und bereichernd, in jedem Jahr neue Russenkinder begrüßen zu können. Diesmal waren es vier. Immer wieder klopft das Herz, wenn wir die neuen Herkunftsgeschichten hören, andere biografische Verläufe vernehmen, die doch so viele ähnliche Erfahrungen vermitteln, wie wir sie alle kennen.

Das weckt den Wunsch, jeden zu umarmen. Auch die, die aus den unterschiedlichsten Gründen in diesem Jahr oder noch nie dabei sein konnten, aber zu Hause in Gedanken bei uns waren. Wir freuen uns auf Euch im nächsten Jahr.

 

Seit drei Jahren begleiten uns immer wieder Journalisten von Radio, TV, Presse zum Treffen und im Jahresverlauf. Die Medienpräsenz der Russenkinder ist durch unseren Gang in die Öffentlichkeit gewachsen, uns wird Interesse entgegengebracht und das bundesweit. Auch wenn uns nicht jede Interpretation und nicht jede Formulierung der Journalisten gefällt, so ist doch wichtig, dass unser Anliegen über die Medien wachgehalten wird. Und wir haben keine Falschdarstellungen erlebt. Doch das Allerwichtigste, was wir erreichen, das sind die Menschen. Betroffene, die sich öffnen, sich bei uns melden, am Telefon oder per eMail ihre Geschichte erzählen, zur Gruppe dazufinden oder es bei einem Gespräch belassen.

 

Die erstellte Medienliste macht deutlich, dass in den Jahren seit Bestehen der Gruppe mehr als die Hälfte von uns einen oder mehrere Medienkontakte hatte. Es sind noch nicht alle erfasst.

 

Wir waren zu Lesungen und Vorträgen, in Radiosendungen, in kurzen und längeren TV Sendungen, regional und überregional. Es gab Erfolge bei der Vatersuche, mit der die Betroffenen selbst nicht mehr gerechnet hatten (Peter, Renate).

Der individuelle Kontakt über das Jahr per Telefon oder eMail untereinaner festigt unsere Gemeinschaft nach dem Motto: Jeder kann, keiner muss.

In unserem eMail Verteiler sind aktuell ca. 30 Kontakte.

Warum ich das so ausführlich anspreche? Von den anderen Besatzungskindern ist mir diese Entwicklung in dem Ausmaß nicht bekannt.

Freuen wir uns, dass uns das gelungen ist.

Im kleinen Rahmen treffen sich auch die amerikanischen Besatzungskinder.

Vielleicht ist zum 75. Jahrestags der Beendigung des zweiten Weltkrieges ein gemeinsames Besatzungskindertreffen in Berlin möglich.

Darum könnten sich unsere Forscher kümmern. Zusammen mit dem CHIBOW und BOWin Netzwerk. Das wäre eine tolle Sache.

Die Konferenz im Juni in Leipzig ist eine Möglichkeit, das vorzuschlagen.

 

Ich habe in den letzten drei Wochen eine so emotions - und ergebnisreiche Zeit erlebt, dass ich nur etappenweise berichten kann.

Hier mehr zur Lesung in Cottbus.

 

Über die Kontakte in Polen berichte ich später.

 

Die Eindrücke auf dieser Seite ersetzen ein offizielles Protokoll, wir hatten kein starres Programm.

 

Es war ganz einfach ein wohltuendes und inspirierendes Wochenende mit Euch